Brauhaus Herne und Herner Kühl- und Lagerhaus GmbH

Bereits im Jahre 1664 wurde in Herne Bier gebraut. In dieser Zeit standen im Dorf viele Braukessel.
Um den Bierbedarf der Herner Bevölkerung zu decken, gründete man gegen Ende des Jahres 1897 das ‚Bürgerliche Brauhaus‘ zu Herne. Es war eine Aktiengesellschaft mit einem Anfangskapital von 800.000 Mark. Aktionäre waren zum Teil alteingesessene Herner Kaufleute, die gleich im ersten Geschäftsjahr eine Dividende von 4 % einstreichen konnten. Ein Zeichen dafür, dass sich der Herner Gerstensaft gut verkaufen ließ. In der Folgezeit stieg die Dividende auf 10 % an.

Während 1901 17.000 Hektoliter Exportbier von 78 Arbeitern produziert wurden, betrug der Bierausstoß ein Jahr später bereits 47.000 Hektoliter bei einer Beschäftigtenzahl von 80.

Unter den Direktoren Cremer und Brinkhoff erreichte das Brauhaus eine Kapazität von 100.000 Hektoliter. Der Betrieb war zeitgemäß ausgestattet, Gährung und Lagerung des Bieres erfolgte in Tanks und Fässern. Das Brauhaus hatte eigene Lieferwagen und Fuhrwerke.

Zeitgenössische Darstellung der Gesamtanlage des Herner Brauhauses, Repro Gerd Biedermann
Zeitgenössische Darstellung der Gesamtanlage des Herner Brauhauses, Repro Gerd Biedermann

Bis zu 60 Pferde zogen täglich die Wagen um die Gaststätten der Stadt und die umliegenden Gemeinden zu beliefern. In den Innenhof der Brauerei eingebaut waren die Aufenthaltsräume der Arbeiter, die Garage für die Lastkraftwagen, die Küferei, die Schmiede, die Stellmacherei und die Wagenremise. Jeden Morgen wurden die bespannten Wagen an die lange Rampe gefahren und mit Bierfässern beladen. Man pries das Herner Bier als unübertroffen im Geschmack und Bekömmlichkeit.

Inzwischen war die Brauerei zu einem für damalige Verhältnisse modernen Unternehmen gereift, dem drei automatisch befeuerte Großwasserraum-Dampfkessel, zwei Dampfmaschinen, vier Dynamos und über vierzig Elektromotoren mit einer Gesamtkraftleistung von über 900 PS zur Verfügung standen. Nicht unerwähnt bleiben soll die große Kunsteis-Erzeugungsanlage, die täglich etwa 1.000 Zentner Kunsteis herstellte und die man selbst bei der stärksten Sommerhitze auf einer Temperatur von 0 Grad Celsius halten konnte

Die Brauerei wurde später von der Schlegel-Scharpensel Brauerei Bochum aufgekauft.

Am 12. März 1938 erfolgte die Stilllegung des Hemer Brauhauses. In den Gebäuden an der Horsthauser Straße 2 hat sich später die Herner Kühl- und Lagerhaus GmbH niedergelassen. Der Abbruch der historischen Bauten erfolgte im September 1985

Der Text wurde von Gerd Biedermann zusammengetragen und für das digitale Geschichtsbuch aufbereitet.

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