Einigkeit – Recht – Freiheit

Auf dem Hof der Grundschule Langforthstraße in Horsthausen wurde am 15. Juni 1961 – kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit – ein von der Bergwerksgesellschaft „Friedrich der Große“ gestiftetes Denkmal enthüllt, das der Herner Künstler Jupp Gesing entworfen hatte. Oberbürgermeister Robert Brauner nahm an dem Festakt teil. Das später in die Kritik geratene Motiv:

Sinnbild der gesamtdeutschen Situation 1937. Das Mosaik in den Farben rot, gelb und grün stellte die alte Bundesrepublik, die ehemalige DDR sowie die polnisch- und russisch besetzten Ostgebiete dar mit einem Strahlenkranz von Berlin aus zu den jeweiligen Landeshauptstädten. Unten rechts war zu lesen: „Einigkeit, Recht, Freiheit“.

Nach zweijähriger Verhandlungszeit wurde das Denkmal 1992 – zwei Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung – politisch aktualisiert, mit Holz ummantelt und mit einer Foliendarstellung versehen. Der Text darauf lautete fortan:

„‚Deutsche Einheit 1990′
Karte der BRD mit den neuen Ländern,
Ländergrenzen und Landeshauptstädten und Berlin und Bonn“

Das Denkmal als Fotomotiv bei der Einschulung, 1981, Foto Andrea Buchwald
Das Denkmal als Fotomotiv bei der Einschulung, 1981, Foto Andrea Buchwald

Im Januar 1995 kam man übereinstimmend zu der Erkenntnis, es handele sich nicht um ein „grundschulgerechtes Monument“ und dieses „Gebilde sei in einer Grundschule … fehl am Platze“.
Zwei Monate später hatten Schulkinder die Ummantelung mit einem farbenfrohen Elefanten auf der einen und zwei putzigen Katzen auf der anderen Seite bemalt. Die Hinweistafel war von da ab ein Jahr verschwunden. 1996 interessierte sich das Bonner „Haus der Geschichte“ für das Denkmal. Die Umsetzungskosten waren zu hoch und so stand das Monument bis 2016 an seinem angestammten Platz, bemalt nun unter anderem mit einer Figur in der Mitte, die zu den Strichmännchen des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Keith Haring große Ähnlichkeit aufweist.

Im November 2013 wurden die Regenbogenschule an der Diedrichstraße und die Grundschule an der Langforthstraße zusammengelegt. Gemeinsamer neuer Standort wurde das Gebäude der ehemaligen Hauptschule am Jürgens Hof 61.

Das Denkmal in einem nicht mehr so guten Zustand auf dem Gelände des Heimatmuseums Unser-Fritz, 2018, Foto Gerd Biedermann
Das verkleidete Denkmal auf dem Gelände des Heimatmuseums Unser-Fritz, 2018, Foto Gerd Biedermann

Das alte Schulgebäude an der Langforthstraße wurde im September 2016 abgerissen. Der Verbleib des Denkmales war zunächst unklar. Letztendlich wurde es auf dem Gelände des Heimatmuseums Unser Fritz eingelagert.

Manfred Hildebrandt, Jürgen Hagen

Erstveröffentlichung des ursprünglichen Textes:
„…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“-Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, Manfred Hildebrandt, Der Emscherbrücher Band 14 (2008/09), Seiten 57 bis 77, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008

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