Die alte ‚Mostertmühle‘ in Baukau

Aus Runkelrüben, Zuckerrüben und Obst quetschte er das geschätzte ‚Rübenkraut‘. Das Waschen der Rüben und des Obstes geschah auf einfache Weise in großen Kesseln, die zum Teil auf dem Hofe aufgestellt waren und zur Erntezeit ganze Rüben- und Obstberge zu bewältigen hatten.

Um die Jahre 1924/1925 gab der unternehmungslustige Gustav Trösken seine Marmeladenerzeugung wieder auf. Er zog ins Sauerland und heiratete dort ‚eine Gräfin‘, wie es die Baukauer noch heute erzählen. In Plettenberg betrieb er einen lebhaften Holzhandel und belieferte unter anderem auch Herner und Bochumer Zechen mit Grubenholz. Er starb 70jährig in Plettenberg, wurde jedoch nach Baukau übergeführt und in der Familiengruft am Nordfriedhof an der Kaiserstraße beigesetzt.

1966 wurden an der Rottstraße 51a die Gebäude der ehemaligen Mostert- oder Senfmühle abgetragen. Sie stand etwas abseits von der Landstraße in einem sumpfigen Haselstrauchwäldchen, und man bezeichnete das Gebiet daher auch als ‚Haselort‘. Das eigentliche Haus war aus roten Ziegeln gebaut und besaß eine breite Dehleneinfahrt. Über dieser Einfahrt konnte man auf einer verwitterten Steintafel das Baujahr 1865 und den Bauherrn, A. Bußmann, ablesen.

 

 

Die Dehleneinfahrt wurde später zugemauert, und nur die verrosteten Torangeln ragten aus der Mauer. Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit durch verschiedene Stallungen und Zubauten erweitert. Im rechten Anbau befand sich die eigentliche Mostert- oder Senfmühle.

Sie wurde vermutlich nach 1889 von der Familie Bolte gegründet, deren Nachfahren heute noch in Herne, an der Mont-Cenis-Straße, eine Senffabrik führen. Später übernahm der Italiener Ferroro die Senfmühle im ‚Haselort‘. Vom Bauern Hülshof erbat er sich die Tochter Alwine zur Frau. Als der Erste Weltkrieg ausbrach wurde er Flieger, die Senfmühle musste geschlossen werden. Nach dem Kriege zog er nach Recklinghausen und führte dort eine Gaststätte. Das Haus und die Anbauten der ehemaligen Mostertmühle dienten weiterhin bis zum Abbruch im Sommer 1966 Bergleuten als Wohnung.

Der Text wurde von Gerd Biedermann entdeckt und für das digitale Geschichtsbuch aufbereitet.

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