Schraubenwerk Dorn

Ein Schwimmbad als Zeichen des Erfolges

Auf Initiative der Unternehmer Otto Langhorst und Carl Leising wurde 1900 der Produktionsstandort der ursprünglich in Altenkirchen im Westerwald angesiedelten Firma Dorn durch Übernahme der in Konkurs geratenen Herner Mutter- und Schraubenfabrik G.m.b.H. nach Herne verlegt. Es wurden in den ersten Jahren hauptsächlich Schrauben, Muttern und Nieten für den Bergbau und seine Zulieferindustrie produziert, später kamen als Abnehmerkreise die Eisenbahn sowie der Brücken-, Schiff-, Waggon-, Fahrzeug- und Landmaschinenbau hinzu.

Eingang zur Gerwerkschaft Dorn an der Dornstraße, 1921, Repro Stadtarchiv Herne
Eingang zur Gerwerkschaft Dorn an der Dornstraße, 1921, Repro Stadtarchiv Herne

Nach anfänglichen Schwierigkeiten – bedingt durch die wirtschaftliche Lage, fehlende Fachkräfte und eine unzureichende maschinelle Ausstattung – stabilisierte sich das Unternehmen ab 1907. In den 1920er und 1930er Jahren wurde das Fabrikgelände durch umfangreiche Grundstückskäufe erweitert, neue Werkshallen wurden errichtet.

Die benachbarte Schüchtermann & Kremer-Baum AG stellte 1933/34 die eigene Schrauben- und Nietenfabrikation ein, die Maschinen der Firma wurden an die Gewerkschaft Dorn verkauft. Der Wegfall eines unmittelbaren Konkurrenten stärkte die Bedeutung von Dorn als einen wichtigen eisenverarbeitenden Zuliefererbetrieb.

Begann die Gewerkschaft Dorn mit rund 30 Beschäftigten, zählte die Firma 1912 etwa 170 und 1914 bereits 300 Mitarbeiter. 1928 stieg die Zahl auf 500, um 1933 auf 180 Personen zu sinken. Im September 1949 wurde der Höchststand mit 717 Beschäftigten erreicht. Ein Jahr später zählte der Betrieb 569, zum Schluss noch etwa 200 Menschen.

1981 erfolgte die Umfirmierung in Knipping-Dorn GmbH. Nunmehr wurden verstärkt Schrauben als Sonder- und Zeichnungsteile für die Auto- und Nutzfahrzeugindustrie, den Bergbau sowie den Maschinen- und Anlagenbau produziert.

Am 28. Januar 1993 erfuhr Bernhard Steinberg, Betriebsratsvorsitzender von Knipping-Dorn, durch einen anonymen Anruf, was die Knipping-Holding in Gummersbach mit dem Herner Betrieb plante: Schließung der Firma und Verkauf der Maschinen einschließlich Kundenstamm an die Peiner Umformtechnik, die dieselben Qualitätsschrauben und Verbindungselemente für BMW, Mercedes oder Ford produzierten. Aus dem Erlös sollte nach Willen von Dieter Knipping, Geschäftsführer der Holding, der Sozialplan der rund 200 Beschäftigten finanziert werden.

Mit Arbeitsniederlegungen und Protesten reagierten die Beschäftigten, unterstützt von Herner Bürgerinnen und Bürgern, auf die drohende Schließung. Ein gesunder Betrieb sollte dicht gemacht werden, um Knipping abzusichern, lautete der Vorwurf, denn die Auftragsbücher seien voll, Überstunden würden gemacht.

Auch die Stadt und die Herner Wirtschaftsförderung boten ihre Hilfe an. Doch alle Proteste, Solidaritätsbekundungen und Hilfsangebote blieben ohne Erfolg, am 31. Dezember 1993 schloss der ehemals bedeutende eisenverarbeitende Bergbauzulieferer für immer die Werkstore.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Abteilung Wirtschaft, Schraubenwerk Dorn
  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, Seiten 177 und 178, Dornstraße
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