Denkmale als Auslaufmodell?

Sicherlich war die Blütezeit der Denkmalerrichtung das patriotisch geprägte Deutsche Kaiserreich mit seinem politischen Totenkult. In der Weimarer Republik waren es im wesentlichen Denkmäler für die Toten des Ersten Weltkriegs und Gedenktafeln für Opfer der französischen Besetzung des Ruhrgebiets, die aber hier und andernorts zum Teil erst zehn Jahre nach einem Ereignis von den Nazis im Rahmen ihrer Propaganda enthüllt worden sind. Nach 1945 wurden dann wieder verstärkt Denkmäler und Gedenktafeln im öffentlichen Raum installiert. Das Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs wurde erweitert um die Kriegstoten von 1939 bis 1945. Hinzu kommen die Erinnerung an die Schicksale der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die deutsche Teilung und – relativ neu – die Erinnerung an die vergangene Industrie, im Ruhrgebiet insbesondere an den Bergbau.

Erinnerungskultur ist das neue Schlagwort, um an Vergangenes zu erinnern. Beispielhaft sei hier das Stolpersteinprojekt des Künstlers Gunter Demnig genannt, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln will Demnig an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Gedenktafel Synagoge Herne, Repro Stadtarchiv Herne
Gedenktafel Synagoge Herne, Repro Stadtarchiv Herne

Einen bewusst anderen Weg ging die Stadt Herne mit dem Projekt „Nahtstellen, fühlbar, hier“, das vom Herner Historiker Ralf Piorr in Zusammenarbeit mit Schulen verwirklicht wurde. Im gesamten Stadtgebiet wurden Gedenktafeln mit historischen Texten aufgestellt, die an die konkreten Schicksale der jüdischen Herner und Wanne-Eickeler Bürgerinnen und Bürger erinnert.

Abschluss und Höhepunkt dieses Projektes war die am 29. Januar 2010 als zentrale Gedenkstätte gedachte Einweihung des Shoah-Denkmals auf dem Willi-Pohlmann-Platz.

Manfred Hildebrandt, Jürgen Hagen

Erstveröffentlichung des ursprünglichen Textes:

„…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“-Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, Manfred Hildebrandt, Der Emscherbrücher Band 14 (2008/09), Seiten 57 bis 77, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008

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