Der Platz am Denkmal in Sodingen

In Sodingen gibt es einen „Platz am Denkmal“ ohne ein Denkmal. Ein Blick in die Historie klärt auf:

Kriegerdenkmal Sodingen, 1890er Jahre, Foto Stadtarchiv Herne
Kriegerdenkmal Sodingen, 1890er Jahre, Foto Stadtarchiv Herne

Als die Gemeinde Sodingen noch zum Amt Castrop gehörte, wurde in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre vor dem Wiesmann’schen Saal, in dem seit 1876 Schüler unterrichtet wurden, ein schlichtes Denkmal zur Erinnerung an die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 gefallenen Sodinger feierlich enthüllt. Jahre später sollte dieses durch ein Denkmal mit der Statue Wilhelms I. ersetzt werden. Diese Idee wurde aber im Juli 1904 wieder verworfen. Der Vorschlag des Krieger- und Landwehr-Vereins Giesenberg-Sodingen gegr. 1884, einen Kaiserbrunnen zu errichten, fand im März 1906 Gehör und am 02. September 1906, einem Sedangedenktag, war es soweit: Die Sodinger Honoratioren weihten, umgeben von einer jubelnden Menschenmenge, das neue Denkmal, einen ca.  800 Zentner schweren und etwa 6 m hohen Obelisken, ein. Bekrönt wurde der Obelisk von einem Adler mit weit ausgebreiteten Flügeln. An der Vorder- und Rückseite waren Marmorreliefs von Wilhelm I. angebracht, links und rechts floss aus Löwenmäulern „kaisertreues“ Wasser. Mit Aufpflasterungen  um den Brunnensockel herum wurde an den deutsch-französischen Krieg erinnert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kaiserbrunnen dem Erdboden gleich gemacht. Zu den Abbrucharbeiten fand Norbert Bartsch von der DGB-Geschichtswerkstatt folgenden Artikel in den Ruhr-Nachrichten vom 15. Oktober 1946 unter der Überschrift „Urkundenfund beim Denkmalsabbruch in Sodingen“ :

„Beim Abbruch des Sodinger Denkmals fand man im Fundament eine eingemauerte Flasche mit zwei Urkunden, die über Geschichte und Zweck des Denkmals interessante Aufschlüsse geben. Aus der ersten ergibt sich, daß die Bürger der Gemeinde Giesenberg-Sodingen am 21.3.1897 zur Erinnerung an den hundertjährigen Geburtstag Kaiser Wilhelms I. ein Denkmal errichtet und eingeweiht haben. Die Urkunde trägt die Unterschriften des Gemeindevorstehers Schulte-Alstede sowie mehrerer Bürger. Die zweite Urkunde berichtet, daß die Gemeinde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts unter der zielbewußten Führung ihres Vorstehers, des Betriebsinspektors Stegmann, einen nicht geahnten Aufschwung nahm. Neue Straßen und Plätze entstanden, und schmale, kaum passierbare Feldwege wurden in breiten Chausseen umgewandelt. Hierzu hat auch die Nordstr. (heute Kantstr.) gehört, an deren Eingang sich das Denkmal befand. Es mußte entfernt und sollte auf dem durch Ankauf des Tönnisschen Hofes vergrößerten Marktplatz wieder aufgerichtet werden. Als es fertig war, stellte sich heraus, daß es im Verhältnis zur Größe des Platzes zu klein war. Da die Gemeindevertretung 3000 Mark und die Gewerkschaft Mont Cenis 1500 Mark beisteuerte, konnte ein neues, größeres Denkmal errichtet  und am 2.9.1906 enthüllt werden. Dieses hat 40 Jahre auf seinem Platz gestanden. Die für die Sodinger Geschichte wertvollen Urkunden sollen dem Emschertalmuseum übergeben werden.“

Kaiserbrunnen Sodingen, 1927, Foto Stadtarchiv Herne
Kaiserbrunnen Sodingen, 1927, Foto Stadtarchiv Herne

Nach Abbruch des Kaiserbrunnens blieb dieser Ort  für viele Sodinger aber weiterhin der „Platz am Denkmal“, wenn auch über viele Jahre ohne ein solches.

Am 01. Juli 1986 dann berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, dass der Platz wieder ein Denkmal erhalten solle. Das neue Denkmal solle an den bergbaugeschichtlichen Hintergrund Sodingens erinnern.

Am 21. Juli 1990 war es dann soweit: Ein sogenannter Blindschachthaspel wurde der Sodinger Bevölkerung, die auch bei dieser Einweihungsfeier zahlreich erschienen war, übergeben. Für den feierlichen Rahmen sorgten zwanzig Bergmann- und Knappenvereine.  Der Haspel soll – so der Wunsch bei der Einweihung – nicht nur ein Denkmal des Bergbaus sein, der Herne und ganz besonders Sodingen geprägt hat,  sondern auch an die Toten erinnern, die die gefährliche Arbeit unter Tage forderte.

Der Blindschachthaspel, 2013, Foto Stadtarchiv Herne
Der Blindschachthaspel, 2013, Foto Stadtarchiv Herne

Nach Neugestaltung des Platzes in 2016 wurde der Haspel auf das Steinfeld nahe der Fortbildungsakademie Mont-Cenis verlegt. Dem Sodinger Volksmund ist das aber egal, der „Platz am Denkmal“ wird weiterhin so genannt.

Norbert Bartsch, Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestände Sodingen und Denkmale
  • Ruhr-Nachrichten, Ausgabe Herne, 15.10.1946
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