Ensemble von historischen Grabsteinen auf dem Herner Südfriedhof

Ein besonderer Erinnerungsort findet sich auf dem Herner Südfriedhof an der Wiescherstraße. Rechts von der Friedhofskapelle, umrahmt von einem neu angelegten Urnengräberfeld, wurden im April und Mai 2017 elf historische Grabsteine aufgestellt.

Die Idee zur Anlegung dieses Ensembles stammt von Christina Thieringer-Bonk vom Herner Fachbereich Stadtgrün. Mehr als 20 Jahre lang trug sich die Friedhofsmeisterin mit dem Gedanken, diese nicht abgeräumten Grabsteine in einer neuen Form zu präsentieren.

Das lange Zeit verwilderte und überwucherte Areal wurde hergerichtet. Bäume und Büsche wurden beschnitten, Wege und Flächen neu gestaltet.

Die historischen Grabsteine haben zum Teil hier gestanden, andere sind aus anderen Bereichen des Südfriedhofs herbeigeschafft worden. Die beiden ältesten Steine stammen aus dem Jahr 1908 und tragen die Namen von Elisabeth Neuhaus und Johann Walgenbach. Der jüngste wurde 1915 gemeißelt, als Ernst Branz verstarb. Die Grabmale stammen von abgelaufenen Gruften, sind über all die Jahre nicht abgeräumt worden und jetzt Denkmale, wie die von prominenten Herner Bürgern auf dem Südfriedhof, darunter das Grabmal des früheren Oberbürgermeisters Robert Brauner.

Ein Grabstein aus dem Ensemble grüßt mit dem Spruch „Glück auf zur letzten Schicht“ und erinnert an Josef Funke, Gründer der christlichen Gewerkschaften in Herne. Ansonsten ist im Fachbereich Stadtgrün über die Verstorbenen wenig bekannt. Die im Stadtarchiv vorliegenden Sterbe- und Adressbücher sowie weiterführende Archivalien können über den einen oder anderen Verstorbenen sicherlich Auskunft geben. Möglich, dass das Stadtarchiv beizeiten hierüber einen stadtgeschichtlichen Beitrag veröffentlichen wird. Manche Steine allerdings geben keinerlei Hinweise mehr, sind diese doch zu sehr verwittert.

So wünschenswert es vielleicht für manchen sein mag, nicht alle Grabstellen oder Grabmale können auf ewig vorgehalten werden. Eine Auswahl als Teildokumentation der hiesigen Bestattungskultur zu bestimmten Epochen erscheint sinnvoll, die konkrete historische Überlieferung ist aber in Archiven und Museen sowie bei seriös arbeitenden Geschichtsvereinen und Heimatforschern besser aufgehoben. Der Fachbereich Stadtgrün, so ist auf jeden Fall zu konstatieren, geht bei der Beurteilung, welche Grabstellen bzw. Grabmale erhalten werden sollen, mit Augenmaß vor.

Die Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, die Fläche mit den historischen Grabsteinen zu betreten, auch Anfassen ist erlaubt, das Verweilen auf den Ruhebänken ist erwünscht und lädt zum Betrachten und Nachdenken ein.

So kann darüber trefflich philosophiert werden, ob „durch die Steine die Zeit bleibt“ (Christina Thieringer-Bonk) oder ob „man sieht, dass die Zeit vergeht“ (Heinz-Jürgen Kuhl, Leiter des Fachbereichs Stadtgrün).

Jürgen Hagen

Fotos:

  • Stadt Herne, Fachbereich Stadtgrün, April/Mai 2017

Quellen:

  • Interview am 17.10. und 18.10.2018 mit Christina Thieringer-Bonk, Stadt Herne, Fachbereich Stadtgrün
  • „Gräberfeld erinnert an alten Zeiten“, Artikel in der WAZ, Ausgabe Herne, 17.10.2018
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