Flottmann-Tor

Das Flottmann-Tor ist 7,50 Meter hoch und 9,50 Meter breit. Die ganze Anlage besteht aus zwei im Grundriss quadratischen Pfeilern, in die das zweiflügelige Tor eingehängt ist. Flankiert werden die Pfeiler von zwei kleineren Fußgängertoren.

Die Geschichte

Zu der Geschichte des Flottmann-Tores gehört die Legende, dass dieses im Jahr 1900 auf der Weltausstellung in Paris zu sehen war und Otto Heinrich Flottmann es erwarb, um es später als Eingangstor vor den Flottmann-Werken zu setzen.

Tatsächlich wurde das imposante Jugendstil-Tor erstmals 1902 auf einer Industriemesse in Düsseldorf ausgestellt. Gestaltet hatte es Carl Weinhold, technischer und künstlerischer Leiter der Metallgießerei Füssmann und Fleeth aus Essen. Weinhold war als Künstler und Kunstschmiedezeichner bekannt und mehrfach ausgezeichnet worden. Seine Entwürfe sind gekennzeichnet durch eine Mischung von klassizistischen Formen und Jugendstil-Elementen.

Das Flottmann-Tor an seinem ursprünglichen Standort, Repro Stadtarchiv Herne
Das Flottmann-Tor an seinem ursprünglichen Standort, Repro Stadtarchiv Herne

Von 1905 bis 1967 diente das Jugendstil-Tor als Eingang zu den Flottmann-Werken, bevor es dann der Stadt Herne geschenkt wurde. Im Mai fand das Tor zunächst einen neuen Standort im Hof des Schloss Strünkede.  Regelmäßige Restaurierungsarbeiten folgten. Im Jahr 2000  wurde das Tor dann abgebaut und zu den Werkstätten für Behinderte an der Stöckstraße gebracht. Hier erfolgte eine aufwändige Restaurierung. Das Westfälische Museumsamt machte der Stadt Herne zur Auflage, das Tor künftig nicht mehr der Witterung preiszugeben.

Über Jahre suchte man nach einer Lösung, verschiedene Überlegungen zu Standorten, Überdachungen und Einfassungen wurden diskutiert und wieder verworfen. Schließlich wurde im Rahmen einer Beschlussfassung der Bezirksvertretung Herne-Mitte vom 22. November 2007 festgelegt, dass es zu den Flottmannhallen zurückkehrt.

Das Flottmann-Tor im Hof des Schloss-Strünkede, Repro Stadtarchiv Herne
Das Flottmann-Tor im Hof des Schloss-Strünkede, Repro Stadtarchiv Herne

Am 12. September 2010 erfolgte die offizielle Übergabe des Tores unter dem Motto: „Ich bin wieder hier in meinem Revier…“

Die Symbolik

Die Hohlpfeiler sind aufgebaut aus jeweils vier vierkantigen Stützen und einem dazwischenliegenden Rankenwerk. Im unteren Teil beider Hohlpfeiler erkennt man – als Symbol der Treue – sitzende Hunde mit ausgestreckten Hälsen.

Das Mittelstück der Hohlpfeiler ist mit Blumenranken gefüllt, die nach oben hin mit einem aus vier Eulen bestehenden Kapitel abgeschlossen werden Über diesem erheben sich aus Ranken geformte Türmchen, auf denen jeweils eine buckelnde Katze thront. Die Eulen gelten als Sinnbild für den Ernst des Lebens und als Symbol für geistige Arbeit; die Katzen stehen für Wachsamkeit.

Das Flottmann-Tor an seinem jetzigen Standort, Foto Bildarchiv Herne
Das Flottmann-Tor an seinem jetzigen Standort, Foto Bildarchiv Herne

Die beiden Seitenpfeiler überragen deutlich die Tormitte. Das Flügeltor selbst wird durch ein fächerförmiges ornamentales Grundmuster zusammengehalten. Prägnant ist der durchlaufende Mittelstreifen, der in gleicher Breite wie die Seitenpfeiler erscheint. Aus einem Kübel aufsteigende Pflanzen tragen das Firmenschild mit den Initialen H.F. und Cie.

Über die Initialen sieht man einen Zirkel und ein Dreieck, das Zeichen der Loge „Eiche auf roter Erde“.

In der oberen Mitte des Tores befindet sich als Symbol der Aufklärung ein weiblicher Kopf mit einem Strahlenkranz. Im unteren Bereich jedes Torflügels bekämpft ein geflügelter Drache eine sich auf einem Amboss windende Schlange. Der Drache steht als Sinnbild für die physische Kraft und Intelligenz gegenüber der Schlange, die das zähe, glühende Schmiedeeisen symbolisieren soll.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Wirtschaftsarchiv, Bestand Flottmann
  • Rede des Oberbürgermeisters Horst Schiereck zur Übergabe des Flottmann-Tores am 12. September 2010
  • Alexander von Knorre: Jugendstil und das Flottmann-Tor in Herne, Herne 1994
  • Ralf Piorr (Hg.): Flottmann. Eine Geschichte des Reviers, Klartext Verlag, Essen 2015
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