Kaiser-Wilhelm-Turm

Der Bau

Im Auftrag der „Gewerkschaft der Steinkohlenzeche ,Mont Cenis‘ Sodingen (Westfalen)“ wurde der Wasser-und Aussichtsturm auf dem zecheneigenen Grundstück von der Unternehmung für Beton und Eisenbetonbau Carl Brandt, Düsseldorf, ab Herbst 1912 errichtet. Der Entwurf stammt von dem bekannten Essener Architekten Regierungsbaumeister Alfred Fischer (1881-1950). Der Bau wurde mit finanzieller Unterstützung des Amtes Sodingen errichtet.

Konstruktionszeichnung, 1912, Repro Stadtarchiv Herne
Konstruktionszeichnung, 1912, Repro Stadtarchiv Herne

Namensgebung

Die Sodinger Amtsversammlung fasste am 07. Mai 1913 den Beschluss, den Volkspark ,Kaiser-Wilhelm-Park‘ und den im Bau befindlichen Aussichtsturm ,Kaiser- Wilhelm-Turm‘ zu benennen. Der Sodinger Anzeiger gab der Hoffnung Ausdruck, dass… „in Erinnerung an das 25jährige Regierungsjubiläum unseres geliebten Kaisers … dieser Volkspark als Naturdenkmal den Namen ‚Kaiser-Wilhelm-Park‘ für alle Zeiten führen werde“. Aufgrund der veränderten politischen Verhältnisse – die „Kaisers“ waren nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr „wohlgelitten“ – erhielt der Park durch Beschluss der Amtsversammlung Sodingen vom 02. Juni 1919 den „schon jetzt volkstümlich gewordenen Namen Volkspark“, doch der Kaiser-Wilhelm-Turm wurde nicht ausdrücklich umbenannt.

Die Einweihung

Der Kaiser-Wilhelm-Turm wurde im Rahmen eines Volksfestes, verbunden mit der Feier des 25. Regierungsjubiläums „Seiner Majestät des Kaisers und Königs“ Wilhelm II., am 13. und 14. Juli 1913 eingeweiht. Etwa 100.000 Menschen, darunter zahlreiche Kinder, besuchten an den beiden Pfingsttagen das große Fest.

Die Konstruktion

Der in Eisenbeton errichtete, oktogonale (achteckige), auf hohem Sockel stehende 31,5 m hohe Turm mit Putzfassade endet mit einem Aussichtsplateau, das von einem nach innen geschweiften Dach mit abschließender Laterne überdeckt ist. Erdgeschossig führt um den Sockel ein überdachter, von Säulen getragener Umbau mit kleinen Nebenräumen und dem Eingang mit darüber liegender, überhöhter Verdachung. Im Innern befanden sich in den ersten Jahrzehnten zwei Wasserbassins unterschiedlichen Fassungsvermögens: das untere, achteckige hatte einen Durchmesser von 8 m und fasste 350 m3, das obere 80 m3. Zum Aussichtsplateau gelangt man über eine steinerne, im oberen Bereich aus Eisen gearbeitete Wendeltreppe mit insgesamt 135 Stufen.

Blick vom Turm auf Sodingen und Zeche Mont Cenis, um 1930, Repro Stadtarchiv Herne
Blick vom Turm auf Sodingen und Zeche Mont Cenis, um 1930, Repro Stadtarchiv Herne

Seine Funktionen

Der Kaiser-Wilhelm-Turm versorgte in den Anfangsjahren die Zeche Mont Cenis mit Wasser und diente gleichzeitig als Aussichtsturm. Interessierte können für einen kilometerweiten Blick in alle Himmelsrichtungen den Turm besteigen. Diese Möglichkeit wurde jedoch immer wieder eingeschränkt, so zum Beispiel durch Beschluss der Herner Dezernenten vom 14. Juni 1938: „…Der Aussichtsturm soll aber schon jetzt verbarrikadiert werden, damit die Kinder weitere Zerstörungen nicht mehr vornehmen können, und auch eine Besteigung des Turmes nicht mehr möglich ist.“

Am 27. Oktober 1939 schrieb die Betriebsverwaltung Castrop des Wasserwerks für das nördliche Kohlenrevier im Zusammenhang mit den Überlegungen zu einer Benutzererweiterung an das Hochbauamt der Stadt Herne: „Der Wasserturm ist leider wegen der geringen Höhenlage für unsere Zwecke nicht zu verwenden.“

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Kaiser-Wilhem-Turm als Beobachtungsstelle genutzt.

Erste Überlegungen zur Nutzung eines Raumes im Turm hat die Amtsversammlung Sodingen bereits 1919 angestellt. Bis zur Eröffnung des stadteigenen Umkleidegebäudes 1972 fanden die Fußballer von Arminia Sodingen in dem Bauwerk eine Möglichkeit sich umzuziehen. Heute werden diese Räumlichkeiten nur noch als Sportgeräte- und Materiallager genutzt.

Seit Juli 1975 konnte man nach Jahren die schöne Aussicht vom Turm wieder genießen. Doch 1977 wurde der Aussichtsturm wegen „ständiger Zerstörungen und Verschmutzungen“ wieder geschlossen. Erst ab Mai 1980 wurde erneut eine, wenn auch eingeschränkte, Zugangsmöglichkeit geschaffen.

Substanzerhaltende Maßnahmen

Schon früh mussten am Turm in regelmäßigen Abständen substanzerhaltende Maßnahmen durchgeführt werden. So wurden bereits im November 1928 900 Reichsmark und im Etat 1939 weitere 6.000 Reichsmark für Instandsetzungsarbeiten bereitgestellt. 1955 konnte die Presse stolz berichten, dass nach zehn Jahren „dauernder Zerstörung durch Wind und Wetter“ die Schäden endlich behoben werden konnten. Wiederum zehn Jahre später berichtete die Herner Zeitung, dass der Aussichtsturm einen trostlosen Anblick bietet: “ … grau und verwittert ist das Gemäuer, dessen Putz allmählich den Weg alles Irdischen geht.“ 1974 wurde der Dachschaden des Turmes behoben. Von April 1978 bis April 1979 war das Bauwerk eingerüstet, ohne dass in Sachen Restaurierung etwas passierte. Doch in den folgenden Monaten wurde innen und außen umfangreich saniert, für stolze 160.000 DM. In dem Betrag enthalten waren die Kosten einer Bekrönung des Turmes mit einer Wetterfahne. In den folgenden zwanzig Jahren nagte der Zahn der Zeit unaufhaltsam an dem Baudenkmal weiter; erneute substanzerhaltende Maßnahmen waren erforderlich, um den schlechten baulichen Zustand zu beheben.

Vor und nach der Restaurierung, Repro Stadtarchiv Herne
Vor und nach der Restaurierung, Repro Stadtarchiv Herne

Die Turmbekrönung

1979 wurde auf dem Turm eine 2,50 m hohe, 1,60 breite und etwa 100 kg schwere Wetterfahne aus Messing installiert. Der Schlossermeister Hans Overwien lagerte diese in einer Edelstahlkugel ein. Die datierte Wetterfahne dreht sich um eine Krone über dem Himmelskreuz. Ein springendes Pferd, auch Bestandteil des heutigen Herner Stadtwappens, erinnert an die einstmals im Emscherbruch lebenden Wildpferde, die sog. Dickköppe.

Turmspitze mit Wetterfahne, 1979, Repro Stadtarchiv Herne
Turmspitze mit Wetterfahne, 1979, Repro Stadtarchiv Herne

Das Baudenkmal

Das Bauwerk wurde nach Erteilung des Benehmens durch das Westfälische Amt für Denkmalpflege vom 14. November 1985 und Beschluss der Bezirksvertretung Sodingen vom 13. Juni 1988 in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne eingetragen.

Jürgen Hagen

Sehenswert

Volkspark, Kaiser-Wilhelm-Turm, ein schöner Tag in „Herne von damals bis heute“.

Quellen:

  • Ausstellungsdokumentation „Zur schönen Aussicht – Der Kaiser-Wilhelm-Turm im Sodinger Volkspark“; Ausstellung zum Tag des offenen Denkmals 2002 – eine Kooperation von Untere Denkmalbehörde, Emschertal-Museum und Stadtarchiv
  • Monkanal
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