Als Hernes zweite Zeche gebaut wurde

Die Zeche Von der Heydt

Im Januar 1863, Herne war noch ein Dorf und die wenige Jahre vorher abgeteufte Zeche Shamrock hatte kaum 150 Mann, da wurde von mehreren Franzosen, die in Herne und Bochum schon monatelang gegen gute Goldfrancs bei den Bauern möbliert wohnten, die „Societe de civile de Charbonnage de Herne-Bochum“ gegründet.

Unter Führung des Franzosen Carabin und des Deutschen Demmler aus Paris hatten sie das Gelände westlich des Bahnhofs erworben und erhielten kurz darauf die Schürfrechte von der Berliner Regierung. Als der erste Spatenstich für den Schacht getan wurde, tauften sie ihn „Providence“, aus dem später „Von der Heydt“ und 1889 von der Harpener Bergbau AG angekauft wurde.

Viele alte Herner kennen noch den Namen „Providence“ aus dem Munde ihrer Eltern und ihrer Jugendzeit. Noch um die Jahrhundertwende war Von der Heydt ein moderner Pütt mitten in der Stadt. Die alten Herner haben auf Von der Heydt oft mächtig geschimpft, denn wer auf dem alten Herner Bahnhof stand, der nur knapp 250 Meter von der Zeche lag, und auf einen Zug wartete, dem war bald der hohe weiße Stehkragen schwarz, denn es „kohlenstaubte“ auf Von der Heydt immer, zumal noch die Hängebank zum Teil offen, die Förderbrücke aber ganz offen war.

 

Zeche Von der Heydt, 1920er Jahre, Repro Gerd Biedermann
Zeche Von der Heydt, 1920er Jahre, Repro Gerd Biedermann

 

Bei den Bewohnern des Grenzwegs ist noch die angenehme Verbindung bekannt, die zwischen dem Grenzweg und dem Stadtteil Baukau bestand. Am Knick des vorderen Grenzwegs bestand eine Überfahrt mit Schranken, die man nach dem Ersten Weltkriege beseitigte, als die Zeche stillgelegt wurde. Man baute damals die heute noch bestehende Unterführung und für die Anwohner des Grenzwegs den Umweg nach Baukau.

1918 wurde die Förderung unterirdisch nach Julia verlegt. Dann fiel nach und nach ein Betriebsgebäude nach dem anderen. Von der siebten Sohle ab stehen heute zwei Sohlen auf Von der Heydt unter Wasser.

Dort ist alles ersoffen, wo einst viele Herner, von denen noch mancher lebt und zu der damaligen Stammbelegschaft zählte, mit der Hacke noch in die Kohlenwand haute. Ein Rest von Kohle, den man damals als Sicherheitspfeiler zu beiden Seiten des Schachtes und wegen Vermeidung von Bergschäden unter der Eisenbahnstrecke stehen ließ, werden heute von einem Unternehmer abgebaut.

Nur noch eine Miniaturanlage erinnert an den einstigen modernen Pütt, der In der Wirtschaftsgeschichte und der Entwicklung Hernes eine bedeutsame Rolle spielte. Vielleicht sind auch die beiden kleinen Schachttürmchen in fünf Jahren überflüssig. Dann wird eine Rasen- oder andere Grünfläche alles bedecken und der Nachwelt kaum noch Kunde geben, daß vier Generationen Hemer Knappen einst in 700 und 800 Meter Tiefe hier einfuhren und ihr „Glückauf“ riefen.

Der Text wurde von Gerd Biedermann entdeckt und für das digitale Geschichtsbuch aufbereitet.

 

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Quelle:

Westfälische Rundschau, Ausgabe Herne,  Januar 1953

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