Friedrich Koepe (Grubendirektor Zeche Hannover)

Der Grubendirektor Friedrich Koepe (geb. 01. Juli 1835 in Bergkamen/Westfalen, gest. 11. September 1922 in Bochum) übernahm 1873 die Leitung des Bergwerkes Hannover, das er in 17 Jahren der Entwicklungsphase zu einem Großbetrieb ausbaute, bis seine unsichere Haltung bei dem Bergarbeiterstreik von 1889 zur Kündigung seines Dienstverhältnisses bei Krupp führte.

Der Bergbau  verdankt  Koepe  viel, denn er entwickelte im Jahre 1876 die nach ihm benannte Koepe-Fördertechnik. Seit den Anfangszeiten des Bergbaues hatte sich am Prinzip der Kohleförderung nicht viel geändert. Ursprünglich hängte man einen ‚Kübel‘ – ein eimerförmiges Fördergefäß – an ein Seil, das mit Hilfe einer Kurbel durch die Haspelknechte auf eine Welle gewickelt wurde.

Friedrich Koepe, Repro Stadtarchiv Herne
Friedrich Koepe, Repro Stadtarchiv Herne

An die Stelle der Haspelknechte war später die Dampfmaschine getreten. Die Welle war durch eine Trommel mit möglichst großem Durchmesser ersetzt worden, auf die ein relativ langes Seil in nebeneinanderliegenden Rillen aufgewickelt werden konnte. Beim Betrieb der Maschine musste auf größte Gleichmäßigkeit geachtet werden, da sich jede Unregelmäßigkeit auf die Bewegungen des Förderkorbes übertrug. Dieser strapazierte ohnehin mit seinem – je nach Ladung – schwankenden Gewicht das Seil, das zudem bei jedem Anziehen durch den dann fälligen Ruck belastet wurde und demzufolge in starkem Maße beansprucht und dem Verschleiß ausgesetzt war.

Auf der Zeche Hannover wurde 1873 von der ersten Tiefbausohle in 162 Meter Teufe gefördert. Kurze Zeit später erschloss man die zweite und die dritte Tiefbausohle in 233 bzw. 304 Meter Teufe. Jedes Mal musste für das notwendigerweise erheblich längere Förderseil eine größere Trommel eingebaut werden, um die Zahl der Führungsrillen nicht übermäßig zu vergrößern, sondern möglichst zu verringern.

Zur grundlegenden Verbesserung der Fördertechnik hatte Koepe eine neue Idee entwickelt, nämlich die Anwendung der Transmissionstechnik auf den Transport von Förderkörben im Schacht. Das Seil wurde nun nicht mehr aufgewickelt, sondern es bildete eine Schleife, die um eine Treibscheibe gelegt wurde. An jedem der beiden Seilenden war ein Förderkorb befestigt. Die Länge des Seiles war so bemessen, dass der eine Korb gerade an der Hängebank ankam, wenn der andere am Füllort aufsetzte. Das Gewicht des Förderseils wurde durch ein Unterseil ausgeglichen, dessen Enden jeweils unter den beiden Förderkörben befestigt waren. Somit entstand eine geschlossene Schleife. Diesem Prinzip gehörte die Zukunft.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, Seiten 414a und 414b, Koepeweg
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