Volksgarten Eickel

Auf dem am 18. Januar 1892 stattgefundenen Kreistag des Landkreises Gelsenkirchen gab Landrat Dr. Hammerschmidt die Anregung zur Anlage von Volksgärten. Er sagte den Gemeinden die volle Unterstützung des Kreises bei der Errichtung zu. Im Interesse der Volksgesundheit nahm auch die Gemeinde Eickel die Idee postiv auf. Der Volksgarten Eickel wurde in den Jahren 1899 und 1900 für 130.000 Reichsmark auf dem Gelände des Landwirts Middeldorf angelegt. Hermann Keinhorst schreibt in seinem Eickeler Geschichtsbuch, dass für die schweren Erdbewegungen ‚jeden Morgen eine Anzahl von Insassen vom Bochumer Gefängnis geholt wurden‘. Über den Park wusste Keinhorst folgendes zu berichten: ‚Der Volksgarten liegt im Mittelpunkt von Eickel und wurde zur Zierde des Ortes. Unter dem grauen Himmel des Reviers finden die zahlreichen Besucher des Gartens blumenbunte Beete und saftige Grünflächen. Der Spaziergang innerhalb des Volksgartens ist ein Ausgleich für die Tagesarbeit, ein Dorado für die lufthungrigen, spazierengehenden Rentner […]‘.  Amtmann Berkermann erklärte ‚Grün als Hauptfarbe für Eickel‘.

Eickeler Volksgarten mit Siegessäule, kolorierte Postkarte, gelaufen 1918, Foto Stadtarchiv Herne
Eickeler Volksgarten mit Siegessäule, kolorierte Postkarte, gelaufen 1918, Foto Stadtarchiv Herne

Ein in der Entstehungszeit gegründeter Verschönerungsverein trug durch seine regelmäßigen Veranstaltungen zum Wachstum des Volksgartens bei. So wurde auf dem Gelände eines ehemaligen, natürlichen Teiches unterhalb des heutigen Ehrenfriedhofs eine beleuchtetet Rodelbahn gebaut. Ebenso entstand ein Skatpavillion am heutigen Ausgang Burgstraße sowie ein Springbrunnen in der Parkmitte. Alle diese Anlagen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. In der Nachkriegszeit erfolgte die Instandsetzung des Parks.

Pflegekolone der Gemeinde Eickel im Volksgarten, um 1914, Repro Stadtarchiv Herne
Pflegekolone der Gemeinde Eickel im Volksgarten, um 1914, Repro Stadtarchiv Herne

Der Volksgarten hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem beliebten Naherholungsgebiet in Eickel entwickelt. Vor allem der Anfang der 1970er Jahre errichtete Minizoo und der gegenüberliegende Spielplatz sind zu jeder Jahreszeit gut besucht. Der Minizoo wurde schnell zu einer der wichtigsten Attraktionen mit seinen verschiedenen Haustierarten und -rassen.  Hier können Kühe oder Schweine, Tarpan-Pferde oder Ziegen bewundert werden. Vor einigen Jahren gab es Pläne, den städtischen Betriebshof am Minizoo aufzugeben, den Zoo zu verlegen und die Fläche zu verkaufen. Hiergegen gründete  sich eine Bürgerinitiative. Mit Erfolg: Die Pläne wurden fallengelassen und die Initiative unterstützt unter dem Namen ‚Freunde des Minizoos‘ weiterhin den Zoo.

Jogger und Walker finden auf dem 2.6 Kilometer langen Wegenetz ideale Bedingungen. Heute erstreckt sich der Volksgarten Eickel über eine Fläche von 96.000 Quadratmetern zwischen Lohof-, Burg-, Hordeler-/Edmund-Weber- und Reichsstraße. Die Länge der Wege summiert sich auf 2.6 Kilometern.

Volksgarten Eickel, Sommer 1964, Repro Stadtarchiv Herne
Volksgarten Eickel, Sommer 1964, Repro Stadtarchiv Herne

Unweit des Minzoos und Spielplatzes, allerdings durch eine lockere Strauchhecke getrennt, liegt ein großes Gräberfeld. Auf dem einen Teil sind Gefallene des Ersten und Zweiten Weltkrieges beigesetzt. Ihre Gräber sind mit Efeu und Gräsern überwachsen. Die Grabmale sind alle gleich gestaltet: ein Stein in Kreuzform, oben die Umrisse eines ‚Eisernen Kreuzes‘ eingraviert, darunter der Name mit dem Geburts- und Todesjahr. Auf dem anderen Teil der Fläche finden sich die gleichen Grabmale, allerdings ohne ‚Eiserne Kreuze‘: Dort sind Menschen beigesetzt, die im Zweiten Weltkrieg bei Luftangriffen ums Leben kamen. Darunter auch die siebenköpfige Familie Stoll aus Röhlinghausen; das jüngste Mitglied war gerade ein Jahr alt, als es bei einem verheerenden Bombenangriff 1943 sein Leben verlor.

Insgesamt sind auf dem Ehrenfriedhof 440 Kriegstote bestattet:

  • 55 deutsche Kriegstote der Wehrmacht aus dem Ersten Weltkrieg
  • 50 deutsche Kriegstote der Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg
  • 332 Kriegstote Zivilopfer aus dem Zweiten Weltkrieg
  • 3 unbekannte Kriegstote Zivilopfer aus dem Zweiten Weltkrieg

Am Rande des Ehrenfriedhofs wurde am 19. November 1961 in Anwesenheit von Oberbürgermeister Edmund Weber und Oberstadtdirektor Alfred Hufeld das Bronzedenkmal Aufschrei auf steinernem Sockel des Hagener Künstlers Gustav Müller-Blankenstein (1905–1970) enthüllt.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Eickel, Volksgarten
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