Volkspark Sodingen

Am 16. Januar 1909 regte der Kreisausschuss zu Dortmund die Anlage von Volksgärten mit Plätzen für Volks- und Jugendspiele an und stellte zugleich finanzielle Unterstützung in Aussicht. Zwei Monate später nahm die Amtsversammlung Sodingen davon Kenntnis und beschloss den Ankauf verschiedener Grundstücke zur Errichtung eines etwa 50 Morgen großen Volksgartens auf dem „sog. Beimberg seiner hervorragend schönen, hohen Lage wegen“. Der Volkspark solle „weniger als eine prunkvolle Anlage, sondern als Erholungsgarten tunlichst einfach in seinen Formen gehalten werden… Außer Spielplätzen für die Jugend und einem geräumigen Sandplatz für die Kinder ist nur an eine Erfrischungshalle gedacht“. Während zu dieser Zeit noch eine Kostenschätzung von etwa 40.000 Mark im Raume stand, waren es nach Fertigstellung rund 100.000 Mark. Die Kostensteigerung wurde unter anderem durch den Bau des Restaurants „Zur Waldschenke“ an Stelle der ursprünglich geplanten einfachen Erfrischungshalle deutlich höher.

Milchhäuschen im Volkspark, Postkarte, gelaufen 1929, Repro Stadtarchiv Herne
Milchhäuschen im Volkspark, Postkarte, gelaufen 1929, Repro Stadtarchiv Herne

Die Sodinger Amtsversammlung fasste am 07. Mai 1913 den Beschluss, den Volkspark ‚Kaiser-Wilhelm-Park‘ und den im Bau befindlichen Wasser- und Aussichtsturm ‚Kaiser-Wilhelm-Turm‚ zu benennen. Im Rahmen eines Volksfestes wurde der Kaiser-Wilhelm-Turm am 13. und 14. Juli 1913 feierlich eingeweiht. Der Sodinger Anzeiger gab der Hoffnung Ausdruck, dass „in Erinnerung an das 25jährige Regierungsjubiläum unseres geliebten Kaisers … dieser Volkspark als Naturdenkmal den Namen ‚Kaiser-Wilhelm Park‘ und der Turm den Namen ‚Kaiser-Wilhelm-Turm‘ für alle Zeiten führen werde“. Doch dann ging das Kaiserreich und die Weimarer Republik kam. Die Amtsversammlung Sodingen fasste am 02. Juni 1919 den Beschluss, den „schon jetzt volkstümlich gewordenen Namen Volkspark“ auch offiziell zu verwenden. Den Kaiser-Wilhelm-Turm vergaß man aber umzubenennen.

Volkspark mit Restaurant und Kaiser-Wilhelm-Turm, Postkarte, um 1915, Repro Stadtarchiv Herne
Volkspark mit Restaurant und Kaiser-Wilhelm-Turm, Postkarte, um 1915, Repro Stadtarchiv Herne

In dem Volkspark wollte die Kreisleitung Herne-Castrop-Rauxel der NSDAP ab Ende 1943 mit dem Bau eines sogenannten „Befehlsstollens“ beginnen. Wegen der allgemeinen Knappheit an Baumaterialien und Arbeitskräften verzögerte sich der Baubeginn auf April 1944. Die ursprünglichen Baupläne waren bis dahin stark reduziert worden. Doch trotzdem die Zeche Mont Cenis im Rahmen ihrer ebenfalls begrenzten Möglichkeiten half, war der projektierte Befehlsstollen am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht fertig. Der Zugang sollte übrigens durch das am 01. Mai 1912 eröffnete Restaurant erfolgen. Das Gasthaus wurde am 09. November 1944 von einer Sprengbombe zerstört.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Stadtteile, Sodingen; Ausstellungsdokumentation „Der Kaiser-Wilhelm-Turm im Sodinger Volkspark, September 2002
  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, Seiten 54 und 55, 111, Am Volkspark, Beimbergstraße
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