St. Anna Hospital Herne

Namenspatronin des St. Anna Hospitals war Anna Schäfer, die Frau des Baumeisters Ludwig Schäfer. Dieser erwarb 1896 mehrere kleinere Parzellen, um diese zu einem größeren Grundstück zu vereinen, auf dem ein Krankenhaus errichtet werden sollte.

Um vor allem Kranken und Kindern aus christlicher Nächstenliebe zu helfen, ließ Pfarrer Hermann Hertkens am 27. September 1898 das Schwesternhaus ‚St. Anna Stift‘ errichten. Es beherbergte eine Kinderbewahr- und eine Nähschule, die von Vinzentinerinnen geleitet wurden. Von hier aus versorgten die Ordensschwestern auch die Kranken, Siechen und Alten. Die Zahl dieser Menschen konnte auf die Dauer medizinisch nicht ausreichend versorgt werden. So entschloss sich Pfarrer Hertkens zum Bau eines kleinen Krankenhauses.

Am 12. September 1900 wurde der Grundstein für dieses Krankenhaus gelegt, das den Namen ‚St. Anna Hospital‘ erhielt. Noch vor seiner Vollendung musste es am 12. August 1901, von einem Tag zum anderen, teilweise bezogen werden, da eine schwere Typhusepidemie ausgebrochen war. Im halbfertigen Räumen der Obergeschosse mussten die Kranken untergebracht werden. Erst am 07. März 1902 konnte das Krankenhaus, das zu dieser Zeit 100 Krankenbetten hatte, offiziell eröffnet werden. Siebzehn Ordensschwestern versorgten zusammen mit einem Arzt die Kranken.

Das St. Anna Hospital als Postkartenmotiv, gelaufen 1918, Repro Stadtarchiv Herne
Das St. Anna Hospital als Postkartenmotiv, gelaufen 1918, Repro Stadtarchiv Herne

Immer wieder auftretende Infektionsepidemien zwangen 1907 zur Errichtung eines kleinen Isolierhauses. Während des Ersten Weltkrieges war das Krankenhaus Reservelazarett. Besonders die im Jahre 1918 grassierenden Grippe- und Typhusepidemien, eine schwere Pockenepidemie 1919/1920, die allein am St. Anna Hospital 65 Todesopfer forderte, und eine Ruhrepidemie 1920/1921 mit 320 stationär behandelten Infektionsfällen stellten Ärzte und Schwestern vor schwerste Aufgaben.

Im August 1924 begannen die Arbeiten an einem Erweiterungsbau, der im Oktober 1926 fertiggestellt wurde. Schritt um Schritt wurde in den folgenden Jahren der weitere Ausbau durchgeführt. Es entstanden eine neue Operationsabteilung, eine neue Röntgenabteilung und eine geburtshilfliche Abteilung, sodass das Krankenhaus schließlich 220 Patienten aufnehmen konnte.

Auch während des Zweiten Weltkrieges diente das Krankenhaus vorzugsweise als Lazarett. Schwere Bombenschäden im Juni/Juli 1943 zwangen zur vorübergehenden Räumung des Hauses. 1944 wurde ein großer Bunker erbaut. Kurz nach seiner Fertigstellung wurde bei einem Großangriff das Evangelische Krankenhaus fast vollständig zerstört. 80 Schwerstkranke mussten am gleichen Tag im Bunker versorgt werden. Die Schwere der Luftangriffe führte dazu, dass mehr und mehr der gesamte Krankenhausbetrieb in diesen Luftschutzraum verlegt werden musste. Vom20. März bis zur Besetzung der Stadt am 09. April 1945 war ein Verlassen des Schutzraumes kaum noch möglich.

In den Nachkriegsjahren erfolgten weitere Ausbauten, da das Krankenhaus in seiner Größe und seinen Einrichtungen nicht mehr den gestellten Anforderungen entsprach. 1951 hatte das Krankenhaus 275 Betten. Ein modernes Isolierhaus wurde errichtet, das am 04. Mai 1955 seiner Bestimmung übergeben wurde. 1958 und 1959 erfolgten Ausbau und Aufstockung des ältesten Krankenhausteils sowie die Einrichtung einer neuen Kinderstation und einer geburtshilflichen Abteilung. 360 Patienten konnte das Krankenhaus aufnehmen. Es zeigte sich in der Folgezeit, dass alle Maßnahmen nicht ausreichten. Nach jahrelangen Planungen und Überlegungen entschloss sich die Kirchengemeinde, die veraltete Bausubstanz abreißen zu lassen und einen völlig neuen Krankenhausbau zu errichten, der am 01. Juni 1966 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Ein Erweiterungsbau konnte am 12. Dezember 1987 eingeweiht werden.

Der Neubau des St. Anna Hospitals, um 1967, Wochenblatt vom 26.09.2001, Repro Stadtarchiv Herne
Der Neubau des St. Anna Hospitals, um 1967, Wochenblatt vom 26.09.2001, Repro Stadtarchiv Herne

Meilensteine der Medizin markierten die Neuerungen in den 1980er Jahren: Ultraschalldiagnostik, neue operative Methoden wie die Endoskopie und die Entwicklung der Intensivmedizin. Auch wurde die Ausdifferenzierung der einzelnen Stationen vorangetrieben. So wurde 1993 die Innere Medizin in eine allgemeine und eine gastroenterologische Klinik aufgeteilt. Die Radiologie wird seit 1995 in Kooperation mit einer radiologischen Praxis betrieben. Aktuell verfügt das St. Anna Hospital über zehn medizinische Fachabteilungen.

Um konkurrenzfähig zu bleiben wurde im Jahr 2000 die St. Vincenz-Hospital GmbH gegründet. Die Vereinigung mit dem St. Marien Hospital Eickel und dem Gästehaus St. Elisabeth sollte notwendige Investitionen ermöglichen. Ein Jahr später richtete das Krankenhaus die Möglichkeit von sogenannten anonymen Geburten ein.

Im Juli 2014 schließlich gründete sich die St. Elisabeth-Gruppe. Mit dem St. Anna Hospital, dem Marien Hospital Herne/Universitätsklinik, dem Marien Hospital Witten, dem Rheumazentrum Ruhrgebiet und dem St. Marien Hospital Eickel formierte sich ein Schwergewicht in der Gesundheitsbranche.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Krankenhäuser, St. Anna Hospital, Marien Hospital/Universitätsklinik
  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, Seiten 70, 345 und 346, Annastraße, Hospitalstraße

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