Sodingen

Der heutige Herner Stadtteil Sodingen war eine Landgemeinde und Namensgeber für das vom 01. April 1902 bis zum 31. März 1928 bestehende Amt Sodingen, dem die Gemeinden Sodingen (bis 13.05.1913 „Giesenberg-Sodingen“), Holthausen und Börnig angehörten.

Der evangelische Pfarrer und Historiker Johann Diederich von Steinen beschrieb 1757 die Gemeinde wie folgt:

„Sodingen, am Wege von Herne nach Castrop gelegen. Diese Bauerschaft gehöret theils zum Gericht Castrop, theils zum Gericht Strünckede. Die Scheidung wird durch einen kleinen Bach gemacht, da denn die Seite an der Bach, nach Herne hin gelegen, ins Gericht Strünckede und Kirchspiel Herne, diejenige Seite aber an der Bach nach Castrop hin, ins Gericht und Kirchspiel Castrop gehören.“

Im Flurbuch der Gemeinde Castrop von 1829 werden in der Flur XXIII, genannt Sodingen, die Flurstücke „Sodingen, Sodinger Esche, Im Sodinger Esch“ genannt.

Um 1150 wird Sodingen im Urbar E der Abtei Werden an der Ruhr, die hier Besitz hatte, „Sothinkge“ genannt. Das adlige Haus Sodingen – 1313 besaß es Adam von Sodingen – wechselte nach dem Aussterben der Familie mehrmals zwischen 1550 und 1800 den Besitzer, bis es zuletzt an die Freifrau von Düngelen zur Wische fiel. Die Burggebäude wurden später abgerissen. Ihre genaue Lage ist nicht mehr bekannt. Man vermutet, dass sich die Burg bei dem Hof Schulte-Sodingen in der Nähe der Mont-Cenis-Straße befand.

Karte des Amtes Sodingen, Anfang 1928, Foto Stadtarchiv Herne
Karte des Amtes Sodingen, Anfang 1928, Foto Stadtarchiv Herne

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark wird im Niederamt Bochum „Soyingen“ mit fünf Grundbesitzen und im Gericht Castrop „Soedingen“ mit sechzehn Grundbesitzern genannt. In der Türkensteuerliste von 1542 sind es zehn, im Türkensteuerregister von 1598 bereits vierzehn. Die Bauerschaft Sodingen gehörte bis zur letzten Jahrhundertwende zum Amt und Kirchspiel Castrop. 1819 zählte man in 13 Häusern 57 Einwohner, 1849 war die Einwohnerzahl auf 125 gestiegen.

Das Amt Sodingen wurde am 01. April 1902 aus den Gemeinden Börnig, Holthausen und Giesenberg-Sodingen (ab 13.05.1913 nur noch „Sodingen“) gebildet und am 01. April 1928 nach Herne eingemeindet. Die Eingemeindung, der erhebliche regionalpolitische Auseinandersetzungen mit Castrop-Rauxel vorausgingen, bedeutete einen Zuwachs von 23.543 Einwohnern, sodass Herne mit 95.730 Einwohnern unmittelbar an die Grenze einer Großstadt rückte.

Seit dem 01. Januar 1975 ist Sodingen einer der vier Bezirke der neuen Stadt Herne.

Die nach der Eingemeindung von Sodingen in das Stadtgebiet benannte Sodinger Straße ist heute mit 5,651 km die längste Straße in Herne.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Stadtteile, Sodingen
  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, Seiten 579 und 580, Sodinger Straße
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