Vom Amtshaus bis zum Rathaus Wanne

1875 entstand Wanne als eigenständiges Amt, das bis dahin dem größeren Gemeindeverband Herne angehörte. In einer der ersten Sitzungen der Amtsversammlung wurde am 05. November 1875 der Bau eines Amtshauses beschlossen, welches im September 1877 bezugsfertig war. Durch die Bevölkerungszunahme erwies sich dieses Amtshaus schon bald als zu klein. Deshalb wurde 1901 die Errichtung eines Neubaus beschlossen, das spätere Wanner Rathaus. Das alte Amtshaus wurde im März 1976 abgetragen, die Straße „Am alten Amt“ erinnert an den früheren Verwaltungssitz.

Neues Amtshaus Wanne, Entwurf des Amtsbaumeisters Otto Zahn, Repro Stadtarchiv Herne

Das neue Amtshaus Wanne wurde nach Plänen von Amtsbaumeister Otto Zahn errichtet. Mit den Ausschachtungsarbeiten begann man am 14. März 1903. Bereits im November 1904 konnte der Neubau fertiggestellt und bezogen werden. Die feierliche Eröffnung fand am 19. Januar 1905 statt.

Da die Kapazitäten des Amtshauses für die Bedürfnisse des Jahres 1905 großzügig geplant waren, wurden die Räumlichkeiten in den ersten Jahren nicht voll ausgenutzt, doch bereits 1919 erwies sich das Verwaltungsgebäude als zu klein. Als Folge mussten verschiedene Abteilungen anderweitig untergebracht werden. Die Platznot wurde nach der Bildung der Stadt Wanne-Eickel am 01. April 1926 noch größer. So stellte sich heraus, dass der Sitzungssaal für die Stadtverordnetenversammlung viel zu klein war. Fortan wurden bis zur Städteehe von Herne und Wanne-Eickel die Sitzungen im Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes an der Richard-Wagner-Straße 10 abgehalten.

Rathaus Wanne-Eickel, 1970er Jahre, Repro Stadtarchiv Herne

Immer wieder gab es Überlegungen, ein neues Rathaus zu bauen. Die Wirtschaftskrise zu Anfang der 1930er Jahre machte den Plan aber zunichte. Das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gebäude wurde gleich nach dem Krieg wieder instandgesetzt. Der Plan zur Erweiterung des Rathauses, vorgelegt von Stadtbaurat Neuhaus im Jahr 1950, gelangte nicht zur Ausführung. Auch der in einer „Denkschrift zur Frage Rathaus-Erweiterung oder -Neubau“ erarbeitete Vorschlag von Stadtbaurat Koch vom 22. Januar 1954 fand keine Realisierung.

Ein Anbau, in dem das Gesundheitsamt der Stadt Herne untergebracht ist, wurde am 01. Oktober 1980 offiziell seiner Bestimmung übergeben, die alte Amtmannvilla musste dem Neubau weichen. Die Villa wurde noch während des Baus des Amtshauses zusätzlich errichtet. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Haus zunächst vom jeweiligen Amtmann, danach vom Oberbürgermeister und später vom Stadtdirektor als Dienstwohnung genutzt.

In den Jahren 2008 und 2009 erfuhren das Dach und die Fassade des Rathauses eine Sanierung. In diesem Zeitraum erfolgte auch die Renovierung des Sitzungssaales. Von 2011 bis August 2013 wurden dann in mehreren Bauabschnitten umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durch das Gebäudemanagement Herne durchgeführt.

Das Amtsgericht zieht ein

Durch Gesetz vom 15. Juli 1930 wurde das Amtsgericht Wanne-Eickel gebildet und dem Landgericht Bochum zugeteilt. Es nahm am 01. Februar 1933 seine Arbeit im Rathaus auf. Das Rathaus sollte nur vorübergehende Unterkunft sein, bis das neue Amtsgerichtgebäude bezogen werden konnte, dessen Entwurf schon 1930 fertig gestellt war. Es sollte an der Zeppelin-, Ecke Hauptstraße entstehen.

Postkarte Amtsgericht und Rathaus, um 1940, Repro Stadtarchiv Herne

Es kam anders: Im Dezember 1946 öffnete das Amtsgericht an der Gerichtsstraße 7 seine Pforten. Es sollte noch bis zum 21. November 1952 dauern, bis der Richtkranz über dem neuen Amtsgerichtgebäude an der Hauptstraße 129 wehte. Die Einweihung fand am 20. November 1953 statt.

Eine Badeeinrichtung im Rathauskeller

Für die städtischen Bediensteten hielt das Rathaus eine besondere Annehmlichkeit bereit. In der im Keller befindlichen Badeeinrichtung konnte ein erfrischendes Vollbad genommen oder  unter eine der vier Brausezellen geduscht werden. Die Badezeiten für die weiblichen und männlichen Verwaltungsangehörigen sowie das Verhalten in der Badeeinrichtung wurden per Dienstverfügung geregelt. Der Betriebsrat wurde beteiligt.

Badeeinrichtung im Rathaus Wanne-Eickel, Repro Stadtarchiv Herne

Die letzten bekannten Badegäste waren in den 1970er Jahren Angestellte des Bezirksschornsteinfegermeisters Helmut Brzukalla. Die städtischen Bediensteten nahmen da schon längst kein dienstliches Bad mehr. Wie lange überhaupt die Möglichkeit bestand, im Rathaus zu baden, ist leider nicht überliefert.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestände Rathaus Wanne-Eickel, Amtsgericht Wanne-Eickel