Kaufhaus Sally Baum

Am Eickeler Markt 6 führte Sally Baum (1879-1965) von 1904 bis 1938 ein bekanntes Kaufhaus für Knaben-, Herren und Sport-Konfektion. Der Kaufmann gehörte zu den Förderern des Turnerbunds Eickel, war Mitglied der Kaufmannsvereinigung und Vorsitzender der Ortsgruppe des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“. Er galt als angesehener Repräsentant der jüdischen Gemeinde und honorierter Eickeler Bürger.

In seiner Funktion als Vorsitzender des „Central-Vereins“ setzte sich Sally Baum auch während der NS-Diktatur für die jüdische Gemeinde ein. Er wehrte sich mit den begrenzten rechtlichen Mitteln, die den jüdischen Bürgern noch zur Verfügung standen, gegen die zunehmenden Diskriminierungen. Auch vor Ort organisierten die Nazis Boykotte und Verleumdungskampagnen. In seinen Erinnerungen stellte Baum fest: „Man war hier dauernd den ‚braunen‘ Belästigungen ausgesetzt, ihre Blicke und Gebärden trieften voll Hass.“

Im März 1938 musste Sally Baum aufgrund der Repressionen sein Kaufhaus aufgeben. Nach der Reichspogromnacht vom 09. November auf den 10. November 1938 wurde er wie viele andere Wanne-Eickeler Juden ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Sally Baum: „SA– und SS-Männer trieben die Juden mit Knüppeln und Peitschen aus dem Waggon. Der Weg zum Lager war ein Martyrium.“ Nach seiner Entlassung im Dezember 1938 floh er im Februar 1939 nach Palästina. Dort überlebte er die Shoah.

Sally Baum (1879 – 1965), Foto Stadtarchiv Herne

Über zehn Jahre nach seiner Flucht, im Juni 1950, kehrte Sally Baum als einer der wenigen jüdischen Emigranten „voller Heimweh“ an den Eickeler Markt zurück. Er wolle „vergessen, um wieder in Frieden leben zu können“, äußerte er sich gegenüber einer Zeitung. Im Alter von 86 Jahren starb Sally Baum am 21. März 1965 in Eickel.1)Erinnerungsorte – Shoah-Denkmal. Zum Gedenken an die Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel. Eine Dokumentation von Ralf Piorr. Herausgeber: Stadt Herne. Januar 2010. Seiten 36 und 37.2)Stadtarchiv Herne. Bestand Jüdisches Leben in Herne und Wanne-Eickel. Jüdische Geschäfte: Kaufhaus Sally Baum.

Jürgen Hagen

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Anmerkungen

Anmerkungen
1 Erinnerungsorte – Shoah-Denkmal. Zum Gedenken an die Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel. Eine Dokumentation von Ralf Piorr. Herausgeber: Stadt Herne. Januar 2010. Seiten 36 und 37.
2 Stadtarchiv Herne. Bestand Jüdisches Leben in Herne und Wanne-Eickel. Jüdische Geschäfte: Kaufhaus Sally Baum.