Schuhgeschäft Nußbaum

Im Haus Hindenburgstr. 234 (heute: Hauptstraße 234) lebte von 1920 bis 1938 die Familie Nußbaum. Die Familienmitglieder verstanden sich als Deutsche jüdischen Glaubens. Die Stadt Wanne-Eickel war ihre Heimat. Der Vater Isaak Nußbaum betrieb im Erdgeschoss des Hauses ein bekanntes Schuhgeschäft.

Am Morgen des 09. November 1938 zerschlugen Nazis die Schaufenster des Schuhgeschäftes. Isaak Nußbaum konnte nach Warnungen eines Polizeibeamten vor seiner Verhaftung fliehen. An seiner Stelle verhaftete die Polizei seinen 14-jährigen Sohn Walter, der ins Gefängnis nach Herne gebracht wurde, wo er Zeuge von Misshandlungen anderer Gefangener wurde.

Die Ehefrau Rosa Nußbaum wurde im Zuge der nationalsozialistischen „Arisierung“ dazu gezwungen, das Geschäft für einen Spottpreis an das Schuhhaus Springer zu verkaufen.

Arisierung oder Entjudung nannten die Nationalsozialisten die Verdrängung von Juden und „jüdischen Mischlingen“ aus Handel, Gewerbe, Wohnungen, Häusern und Wissenschaft im Sinne der Nürnberger Gesetze. Sie fand von 1933 bis 1945 im Deutschen Reich sowie angeschlossenen und besetzten Ländern statt und wird heute in der Regel als Raub eingeordnet. Meist wurde sie zwar in Form als formell ordnungsgemäßer Verkauf inszeniert, dieser geschah jedoch unter erheblichen faktischen und/oder behördlichen Zwängen, sodass der Verkäufer nur selten einen angemessenen Preis erzielen konnte. Die „arischen“ Käufer hingegen erzielten mitunter erhebliche Gewinne.1)Zitiert nach Wikipedia: Arisierung.

Die gewalttätigen Ereignissen der Reichspogromnacht machten der Familie endgültig klar, dass sie in Deutschland keine Zukunft mehr hatte. Die Flucht vor dem Nationalsozialismus trennte die Familie Nußbaum. Der Sohn Walter floh über Holland und England nach Kanada. Die Eltern Isaak und Rosa sowie die Tochter Edith überlebten den Zweiten Weltkrieg und die Shoah versteckt in Belgien. Die älteste Tochter Senta wurde in Belgien entdeckt und in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie am 13. August 1942 ermordet wurde.

Im Jahr 1948 – zehn Jahre nach der erzwungenen Trennung – sahen sich die überlebenden Familienmitglieder in Israel wieder.2)Erinnerungsorte – Shoah-Denkmal. Zum Gedenken an die Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel. Eine Dokumentation von Ralf Piorr. Herausgeber: Stadt Herne. Januar 2010. Seiten 30 und 31.3)Stadtarchiv Herne. Bestand Jüdisches Leben in Herne und Wanne-Eickel. Jüdische Geschäfte: Schuhgeschäft Nußbaum.

Jürgen Hagen

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Anmerkungen

Anmerkungen
1 Zitiert nach Wikipedia: Arisierung.
2 Erinnerungsorte – Shoah-Denkmal. Zum Gedenken an die Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel. Eine Dokumentation von Ralf Piorr. Herausgeber: Stadt Herne. Januar 2010. Seiten 30 und 31.
3 Stadtarchiv Herne. Bestand Jüdisches Leben in Herne und Wanne-Eickel. Jüdische Geschäfte: Schuhgeschäft Nußbaum.