Karl Brandt (Gründer des Emschertal-Museums)

‚Karl Brandt, der Vater des Emschertal-Museums‘: Gleichermaßen zutreffend wie unzureichend wird der Herner Museumsgründer mit dieser oftmals zitierten Bezeichnung beschrieben. In der Tat wurde er mit der der Übereignung seiner Sammlungen an die Stadt Herne zum ‚Vater des Emschertal-Museums‘, und zeit seines Arbeitslebens hat er seinen Abkömmling sorgsam gehütet. In den Hintergrund treten dabei freilich andere Aspekte seines Wirkens und weitere Facetten seines weitgespannten Interessenspektrums.

Lebensdaten

Karl Brandt wurde am 15. April 1898 in Herne geboren. Von 1904 bis 1912 besuchte er die Volksschule und ließ sich anschließend zum Anstreicher ausbilden. Zwischen 1914 und 1917 war er in verschiedenen Städten Westfalens und des Rheinlandes als Anstreichergehilfe tätig. Am 16. Mai 1917 erfolgte seine Einberufung zum Militärdienst. Bei Kriegsende geriet Brandt in Gefangenschaft, aus der am 05. Februar 1919 entlassen wurde. Ab 1919 war er wieder als Anstreicher tätig. Der Datenerfassungsbogen der Stadtverwaltung Herne vermerkt für 1926 und 1927: ‚erwerbslos‘. Karl Brandt heiratete am 04. Dezember 1920 Anna Weiss aus dem hessischen Groß-Gerau; am 25. März 1922 kam ihr einziger Sohn Karl Heinz zur Welt.

Karl Brandt, Repro Stadtarchiv Herne
Karl Brandt, Repro Stadtarchiv Herne

Erste Sammlertätigkeiten

Bereits während seiner Jugendzeit hatte Brandt besonderes Interesse an Geographie und Naturkunde gezeigt. Im väterlichen Bücherschrank fand er die Werke, mit denen er sich in diese Themen einlesen konnte. Hinzu kam die Geologie und dank seiner ausgeprägten Sammelleidenschaft hatte er schon früh eine beachtliche Steinsammlung zusammen getragen.

Angeregt durch die Forschungen Dr. Otto Hausers, eines Fachmannes für die Archäologie des Eiszeitalters, wandte sich Brandt schließlich auch dem Sammeln von Artefakten und Tierknochen aus dieser vorgeschichtlichen Epoche zu. Er konzentrierte sich bei seinen Forschungen auf das Emschertal im Herner Bereich, das hinsichtlich dieser archäologischen Epoche noch nicht systematisch beobachtet worden war. 1926 stellte er die bei diesen Begehungen gefundenen Stücke zusammen mit Objekten aus seiner geologischen Sammlung der Herner Öffentlichkeit in einer Ausstellung vor.

Das erste Museum

Diese Sammlung war es auch, die Brandt noch im selben Jahr der Stadt Herne zur Verfügung stellte. Eine Kommission aus interessierten Bürgern und Vertretern der Verwaltung hatte sich bereits längere Zeit mit dem Gedanken an die Gründung eines Museums getragen, ihn jedoch mangels Exponaten und eines geeigneten Gebäudes zunächst zurückgestellt. Brandt vermochte die fehlenden Voraussetzungen zu erfüllen: Er besaß die für eine Ausstellung erforderlichen Gegenstände und es gelang ihm, zwei Kellerräume des neuerrichteten Lyzeums an der Neustraße zu bekommen, in denen er die Ausstellung aufbaute. Am 7. November 1926 wurde sie der Öffentlichkeit präsentiert.

Veranlasst durch das große Publikumsinteresse, das diese Ausstellung hervorrief, beschloss die Stadt Herne, die Sammlung Brandts als Grundstock für die Bestände des Herner Heimatmuseums anzukaufen. Der Kaufvertrag zwischen Karl Brandt und der Stadt Herne wurde am 1. Oktober 1927 unterzeichnet. Laut dieses Vertrages hatte Brandt vom gleichen Tag an die Stelle eines Verwalters des Herner Heimatmuseums inne. Der Vertrag regelte weiter, dass ‚die Tätigkeit des Herrn Brandt in der Verwaltung und Beaufsichtigung des gesamten Inventars des Herner Heimatmuseums (besteht), … insbesondere hat Herr Brandt auch Führungen zu unternehmen. Ferner wird Herrn Brandt die Leitung und der Ausbau der geologisch vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Heimatmuseums übertragen‘.

Nach der ersten Unterbringung in der Neustraße zog Brandt mit dem Museum noch mehrmals um: 1928 – nunmehr als ‚Städtisches Museum für Natur- und Heimatkunde‘ – in das Karstadt-Haus, 1929 in das damalige Amtsgericht und schließlich 1938 – jetzt in ‚Emschertal-Museum‘ umbenannt – in das Schloss Strünkede, das er zunächst nur im Obergeschoß, ab 1948 aber in vollem Umfang als Museum nutzen konnte.

1951, zum 25-jährigen Bestehen des Emschertal-Museums, verlieh ihm die Stadt Herne den Titel ‚Museumsdirektor‘. Mit diesem Titel schied er am 30. Juni 1964 aus dem offiziellen Dienst der Stadt Herne aus.

Der Prähistoriker

Karl Brandt ist der Öffentlichkeit vorzugsweise als Prähistoriker bekannt geworden, der sich nicht nur mit der Ur- und Frühgeschichte seiner Heimatstadt Herne, sondern auch mit der Archäologie der Städte des mittleren Ruhrgebietes befasste. Schränke voller Mappen mit Grabungsakten zeugen ebenso davon wie die große Zahl der von ihm ausgegrabenen archäologischen Funde selbst. Das Emschertal-Museum zeigt einen Teil davon in einem seiner Dauerausstellungsbereiche. Ein Blick auf die in so manchem Museumsdepot der Nachbarstädte lagernden Funde offenbart aber, mit welcher Beharrlichkeit und Hingabe sich Brandt seiner Aufgabe, der Erforschung der Ur- und Frühgeschichte des mittleren Ruhrgebietes, widmete: So besitzen dank Brandts Aktivitäten außer dem Fmschertal-Museum in Herne die Museen in Recklinghausen, Castrop-Rauxel und Bochum größere Fundbestände, und auch dem Westfälischen Museum für Archäologie überließ Brandt eine kleine, aber feine Sammlung archäologischer Funde aus dem Ruhrgebiet. Karl Brandt beschäftigte sich mit Fundkomplexen aus dem gesamten zeitlichen Spektrum der Archäologie von der älteren Steinzeit bis in die frühe Neuzeit, darunter

  • Knochenreste eiszeitlicher Tiere aus dem Emschertal;
  • mittelsteinzeitliche Fundplätze in der Haard bei Oer-Erkenschwick und am ehemaligen Fleutbach in der Hertener Mark;
  • jungsteinzeitliche Siedlungsplätze in Bochum;
  • jungbronzezeitliche Friedhöfe in Herne-Baukau und Recklinghausen-Röllinghausen;
  • eisenzeitliche Siedlungen in Recklinghausen, Herne und Bochum, darunter die Siedlungsstellen auf der Siepenheide in Recklinghausen;
  • die kaiserzeitliche Siedlung von Castrop-Rauxel – Zeche Erin;
  • die Wallburgen in Herne-Baukau und Herten -‚Sienbeck‘;
  • die Vorläuferbauten des heutigen Schlosses Strünkede;
  • der Hilligenwall in Herne-Horsthausen
  • die ehemalige St. Dionysius-Kirche in Herne;
  • die Burg Blankenstein in Hattingen und
  • Stadtkerngrabungen in Recklinghausen.

Außerdem untersuchte er mehrere Dutzend weiterer, kleinerer Fundstellen im Bereich Hernes und seiner Nachbarstädte und im südlichen Münsterland. Auch nach seinem Rückzug aus dem Dienst hat sich Karl Brandt noch der praktischen Archäologie gewidmet und im Jahre 1970 auf dem Burgberg von Hückeswagen Untersuchungen vorgenommen.

Der Archäologe Karl Brandt, Karikatur, 1930er Jahre, Repro Robert Grabski
Der Archäologe Karl Brandt, Karikatur, 1930er Jahre, Repro Robert Grabski

Sein lebhaftes Engagement und die beachtlichen Ausgrabungsergebnisse machten bald die Fachwelt auf ihn aufmerksam. Brandt stand in engem Kontakt zum damaligen Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster, dessen Leiter Dr. August Stieren als ‚Staatlicher Vertrauensmann für Kulturgeschichtliche Bodenaltertümer‘ ihm Lehrer und Förderer war.

Obgleich sich Brandt der Archäologie als interessierter Laie genähert hatte und seine Kompetenz anfangs unverhohlen bezweifelt wurde, überzeugten seine Leistungen doch: 1937 erfolgte die Ernennung zum ehrenamtlichen Pfleger für kulturgeschichtliche und naturgeschichtliche Bodenaltertümer für den Bezirk der Stadt Herne. Seit 1947 war er Mitglied der Altertumskommission für Westfalen und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Wissenschaftliche Heimatkunde der Pädagogischen Akademie Lünen. Die Wertschätzung, die Brandts Leistung genoss, wurde anlässlich der Feier seines 60. Geburtstages am 15. April 1958 deutlich, die verspätet stattfinden musste, da sich Brandt an seinem Geburtstag zu archäologischen Studien in Spanien aufhielt. Es gab eine große Gratulationscour im Schloss Strünkede, bei der Brandt von Vertretern der Stadt Herne ebenso geehrt wurde wie von Verwaltungsmitgliedern derjenigen Nachbarstädte, in denen er archäologisch tätig gewesen war. Fachkollegen aus dem Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte Münster sowie Museumskollegen aus der Vereinigung Westfälischer Museen fanden sich ein. Die örtliche und überörtliche Presse würdigte das Wirken Brandts in längeren Artikeln, und auch dem Westdeutschen Fernsehen war Brandts Geburtstag ein Beitrag wert.

Der Publizist

Viele Jahre seiner Tätigkeit litt Brandt unter finanziellen Engpässen für seine archäologischen Untersuchungen. Auf die Bereitstellung eines festen Ausgrabungsetats durch die Stadt Herne mußte er bis 1948 warten. Trotz allem untersuchte er zahlreiche Fundstellen und publizierte die Ergebnisse seiner Ausgrabungen. Anfangs waren es kleinere Artikel in Fachzeitschriften und Sammelwerken. Schließlich erschien 1940 ‚Die Mittelsteinzeit am Nordrande des Ruhrgebietes‘, Brandts erste Monographie. Er nutzte auch das damals besonders stark ausgeprägte Interesse der Presse an archäologischen Themen und schrieb nicht nur in den Herner Tageszeitungen, sondern auch in denen der umliegenden Städte zahlreiche Artikel über seine neuen Ausgrabungsergebnisse. Auf Karl Brandts Initiative gehen auch die ‚Heimatblätter für Herne und Umgebung‘ zurück, die in den 1930er Jahren als Beilage zur Herner Zeitung erschienen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als Publikationen in der Tagespresse nicht mehr möglich waren, verlagerte Brandt seine Publikationstätigkeit auf Zeitschriften und Monographien und dokumentierte in zahlreichen Arbeiten die vielfältigen Ergebnisse seiner Tätigkeiten.

Die publizistische Arbeit war für Brandt in mehrfacher Hinsicht unerlässlich. Mit ihr machte er zum einen neue Forschungsergebnisse bekannt, er betrachtete sie zum anderen aber auch als Rechenschaftsberichte gegenüber der Öffentlichkeit und den finanzierenden Stellen. Ein besonderes Anliegen war ihm die Bildung der interessierten Bürger; seinen Publikationen ist durch die Art der Formulierung deutlich das Bedürfnis anzumerken, die Menschen zu erreichen und sie nicht durch eine unverständliche Fachsprache abzuschrecken. Von diesem Wunsch getragen waren auch seine Vorträge, die er in der Volkshochschule hielt und seine zahlreichen Führungen im Museum und bei Grabungen, mit denen er, möchte man der Erinnerung alter Herner Bürger folgen, Maßstäbe gesetzt hat.

Der Naturkundler

Da Brandt vorzugsweise als Archäologe in Erscheinung getreten ist, sind in der Öffentlichkeit seine weitgespannten anderweitigen Interessen in den Hintergrund getreten. Weniger bekannt ist, dass er sich intensiv der Naturkunde und dem Naturschutz widmete. In zahlreichen Zeitungsartikeln, versehen mit von ihm selbst erstellten Fotos, stellte er der Leserschaft die heimische Flora und Fauna vor. Diese Artikel zeugen von einem präzisen Blick und von umfassender Kenntnis der Materie. Brandt wusste seinen Lesern aber auch sein Staunen und seinen Respekt vor der Natur zu vermitteln. Folgerichtig betrieb er auch praktische Naturpflege: 1961/62 war er als ehrenamtlicher Flurhüter in Herne tätig.

Der Historiker und Volkskundler

Neben Archäologie und Naturkunde waren Heimat- und Stadtgeschichte sowie die Volkskunde weitere Gebiete, denen sich Brandt zugewandt hatte. Im Rahmen seiner Sammlungstätigkeit für das Museum hatte er bereits Ende der 1920er Jahre begonnen, Mobilar und Arbeitsgeräte aus bäuerlichen Haushalten in Herne zusammenzutragen. Zu den ältesten Stücken, die auf diese Weise in den Herner Museumsbestand gelangten, zählen eine Klotzmausefalle, Drehbutterfässer, einige Flachsbearbeitungsgeräte sowie ein kleines Schnapsfässchen vom Hof Pantring. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkte Brandt seine Bemühungen. Neben der Sammlung weiterer Zeugnisse bäuerlicher Lebens- und Arbeitswelt führte er auch die bereits in der Vorkriegszeit begonnene fotographische Dokumentation von Herner Bauernhöfen fort, die heute dem Bildarchiv der Stadt Herne eingegliedert ist.

Sein ausgeprägtes heimatgeschichtliches Interesse veranlasste ihn überdies, nicht nur Sachzeugnisse der Herner Geschichte zu sammeln, sondern auch einen Bestand mit schriftlichen Zeugnissen aufzubauen. So verfügt das Emschertal-Museum heute über Dokumente unterschiedlicher Art aus verschiedenen Herner Bauernfamilien, deren Inhalt nicht nur familien-, sondern auch heimatgeschichtliche Relevanz besitzt. Neben diesen Beständen ist aber auch der Dokumentenbestand zur Geschichte der Familie von Strünkede zu erwähnen, den Brandt entweder mit Hilfe von Kontakten zu auswärtigen Archiven oder zur Familie der letzten Schloßbesitzer, der Familie von Forell, zusammentragen konnte.

Der wackere Zeitungsschreiber Karl Brandt auf der Suche nach alten 'Hün un Perdün'-Artikeln? Karl Brandt im Oktober 1966, Foto Robert Grabski
Der emsige Zeitungsschreiber Karl Brandt auf der Suche nach alten ‚Hün un Perdün‘-Artikeln? Oktober 1966, Foto Robert Grabski

Brandt hat auch auf diesem Gebiet publiziert. Unter dem Pseudonym H.A. RANNIUS und HISTORICUS veröffentlichte er zahlreiche Artikel zur Heimatgeschichte und Volkskunde und schrieb in der Herner Zeitung wacker gegen seinen Weggefährten Dr. Leo Reiners an, der zeitgleich und oftmals zu denselben Themen im Herner Anzeiger veröffentlichte. Mit Titeln wie ‚War Arndt von Gysenberg ein Mörder oder nicht?‘, ‚Wo steckten die Deserteure aus der Mairie Herne?‘ oder ‚Es klappert die Mühle im Westbachtal‘ trugen diese Artikel Brandts ganz individuelle und volksnahe Handschrift. Auch sein Humor blitzte auf, wenn er sich beispielsweise mit dem Artikel ‚Einem Herner gelang Züchtung des Streifengrases‘ in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 01. April 1953 einen Aprilscherz leistete.

Während des Zweiten Weltkrieges

Karl Brandts historischer Blick richtete sich nicht nur auf das Vergangene. Er war stets ein aufmerksamer Beobachter des aktuellen Geschehens und hat als kritischer Zeitzeuge insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus begleitet, die in völligem Gegensatz zu seinen eigenen politischen Überzeugungen stand. Brandt selbst gab für seine Personalakte an, er sei in den Jahren 1926 und 1927 Mitglied der KPD gewesen. Die Mitgliedschaft in dieser Partei bereitete ihm 1935 bei einem Antrag auf eine Gehaltserhöhung Schwierigkeiten. Dieser Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, Brandt habe ‚früher staatsfeindlichen Parteien angehört‘. Erst ein Jahr später, nach Rücksprache mit der Kreisleitung der NSDAP, wurde dem Antrag schließlich entsprochen.

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die ersten Nachkriegsjahre begleitete Brandt als engagierter Chronist. Er hinterließ Tagebücher, in denen er die Geschehnisse um Schloss Strünkede und in Herne kommentierte, und versuchte nach Möglichkeit, Wichtiges im Foto festzuhalten. Aus dieser Zeit stammt eine mehrere tausend Stücke umfassende Sammlung von Fotos, Zeitungsausschnitten, Formularen, Aufrufen, Schulungsmaterialien und vielem mehr, die Brandt zusammengestellt hatte. Sie dokumentiert Geschehnisse in der Zeit des Dritten Reiches und die Aktivitäten der KPD nach Kriegsende 1945. Ein Teil dieser Sammlung befindet sich heute im Institut für Zeitungsforschung der Stadt Dortmund; der andere Tei  ist dem Bestand des Instituts für Publizistik der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster eingegliedert.

Nach dem Ende des Krieges war Brandt, wie alle Dienstkräfte behördlicher Kultureinrichtungen, entlassen worden. Damit er nicht erwerbslos würde, bot man ihm eine Stelle als Hilfsangestellter an, und so arbeitete er ab dem 14. Juli 1945 im Wirtschaftsamt der Stadt Herne als Kontrolleur für die Nachprüfung der Warenbestände in den Geschäften des Einzelhandels. Auch in dieser Zeit meldete er sich publizistisch zu Wort, prangerte mangelndes Sozialempfinden und Ungerechtigkeit an und forderte Mitgefühl für die vom Kriegsgeschehen besonders hart Betroffenen ein.

arl Brandt im Gespräch mit Dr, Leonhard Reiners (links), frühe 1950er Jahre, Repro Stadtarchiv Herne
Karl Brandt im Gespräch mit Dr. Leonhard Reiners (links), frühe 1950er Jahre, Repro Stadtarchiv Herne

Nach dem Krieg bis zum Ruhestand

Ab 1948 konnte sich Karl Brandt wieder in vollem Umfang der Museumsarbeit widmen. Er leitete den Wiederaufbau des Museums und führte seine Grabungstätigkeiten fort, er erweiterte die kulturgeschichtlichen und volkskundlichen Bestände und legte den Grundstein für die heute sehr umfangreiche Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums.

Am 30. Juni 1964 schied Karl Brandt offiziell aus dem Dienst der Stadt Herne. Er blieb bis zur Vollendung seines 66. Lebensjahres im Museum, da die Stadt Herne zunächst keine geeigneten Bewerber für seine Nachfolge fand. Zwischen dem 01. August 1964 und dem 31. Dezember 1965 arbeitete er im Rahmen eines Werkvertrages für die Stadt Herne an der Sichtung, Kennzeichnung und Inventarisierung des Magazinbestandes der Abteilung für Archäologie und begann mit der Ausarbeitung eines zur Veröffentlichung geeigneten Manuskripts zur Herner Ur- und Frühgeschichte.

1966 zog er zunächst nach Frankenhain in Hessen um; 1970 ließ er sich endgültig in der Nähe seines Sohnes, des damaligen Bremer Landesarchäologen Dr. Karl Heinz Brandt, in Seebergen bei Bremen nieder. Der Rückzug aus dem Berufsleben bedeutete für Karl Brandt keineswegs einen Ruhestand. 1967 erschien sein Buch über die neolithischen Siedlungsplätze in Bochum und es folgten noch zahlreiche Aufsätze in Zeitschriften. 1973, ein Jahr vor seinem Tod, ordnete er die archäologische Sammlung der Stadt Bochum, die sich in Haus Kemnade befindet, und legte ein Manuskript über die Ur- und Frühgeschichte Bochums vor. Dieses Manuskript ist von Volker Pingel, dem Ordinarius am Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte der Ruhr-Universität Bochum, zum Druck vorbereitet worden und 1997 posthum als letztes Werk von Karl Brandt erschienen.

Karl Brandt starb am 02. Juli 1974. Zur bleibenden Erinnerung an ihn benannte die Stadt Herne 1985 einen Teil der vor dem Museum verlaufenden Schloss-Strünkede-Straße in Karl-Brandt-Weg um. Sie ehrte damit einen Mann, der gezeigt hat, daß Fleiß, Beharrlichkeit und Kompetenz zum Ziel führen: zu einem Museum, das mit seinem umfangreichen Bestand heute aus der Museumslandschaft des Ruhrgebietesnicht mehr wegzudenken ist.

Ein Verzeichnis der Publikationen von Karl Brandt findet sich hier.

Gabriele Wand-Seyer

Anmerkung:

Dieser Text wurde von Gabriele Wand-Seyer im Auftrag der Stadt Herne verfasst und 1998 veröffentlicht. Der Text wurde für das Digitale Geschichtsbuch überarbeitet. Die hier veröffentlichte Version wurde von der Stadt Herne freundlich genehmigt.

 Jürgen Hagen

Quellen:

  • Auf zwei Wegen zur Stadtgeschichte – Karl Brandt und Leonhard Reiners 100 Jahre, Stadt Herne, Der Oberbürgermeister, Herne 1998, Seiten 11 bis 17
  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, Seiten 398 und 399, Karl-Brandt-Weg
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