Kraft-Messing-Platz

Der Kraft-Messing-Platz erinnerte an den Einzug der Reformation in Herne. Er lag südlich der Kreuzkirche am Standort der ehemaligen St. Dionysiuskirche. Diese romanische Kirche war der sakrale Mittelpunkt im Kirchdorf Herne und diente zur Verbreitung von Luthers Lehren durch Pfarrer Kraft Messing (oder Crafft Messing, nach Schreibweise des evangelischen Pfarrers und Historikers Johann Diederich von Steinen).

 

Modell des alten Dorfes Herne, Foto Stadtarchiv Herne
Modell des alten Dorfes Herne, Foto Stadtarchiv Herne

 

Als 1559 der katholische Pfarrer Wilm Brabeck sein Amt niederlegte, übernahm Kraft Messing von Herbede das Amt. Am 08. März 1560 wurde er als Pfarrer der St. Dionysiuskirche ordiniert.1561 begann Kraft Messing gegen den katholischen Glauben zu predigen. Gleichzeitig führte er den Katechismus Luthers ein.

Kraft Messing stammte aus einer alteingesessenen Hevener Familie. Heven gehörte bis 1898 zum Kirchspiel Herbede und bis 1921 zum Amt Herbede. Wann Kraft Messing geboren wurde, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Gestorben ist er vermutlich 1570. Wo, das ist leider auch nicht bekannt.

Verheiratet war Messing mit Elisabeth Valkan, aus der Ehe sind zwei Töchter hervorgegangen, die Namen sind nicht überliefert.

Vermutlich in der Zeit vom 9. bis frühen 12. Jahrhundert wurde die erste Kirche im Dorf Haranni gebaut (1150 wird aus dem altdeutschen „haranni“ das mittelhochdeutsche „hernen“). Grabungsfunde weisen auf einen Vorgängerbau der St. Dionysiuskirche hin. Ob dieser Bau schon der religiöse Mittelpunkt einer eigenen Pfarrgemeinde gewesen ist, lässt sich an Hand der bekannten Quellen nicht mehr sagen. Nachgewiesen wurde aber, dass die Pfarrangehörigen, d.h. für das Mittelalter alle innerhalb des Sprengels wohnenden Menschen, auf dem Kirchhof beerdigt wurden. Bei Ausgrabungen auf dem Altmarkt wurden Mitte der 1930er Jahre südlich der jetzigen Kreuzkirche beigabenlose Körpergräber mit Baumstammsärgen frühestens aus dem 9. Jahrhundert entdeckt. Dies spricht für eine christliche Bestattungskultur. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, spätestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die „neue“ St. Dionysiuskirche gebaut. Der Turm stammte noch vom Vorgängerbau.

 

Kraft-Messing-Platz mit Umriss der St. Dionysiuskirche, Foto Bildarchiv Herne
Kraft-Messing-Platz mit nachgebildeten Umriss der St. Dionysiuskirche, Foto Bildarchiv Herne

 

Die Benennung des Kraft-Messing-Platzes erfolgte am 27. November 1961. Die Gemeinde der Evangelischen Hauptkirche, ab 1963 Kreuzkirche, hatte recht kurzfristig zum 400. Herner Reformationsjubiläum beantragt, eine der umliegenden Straßen Kraft Messing zu widmen. Der Antrag fand aber im Rathaus wenig Anklang. Um Anlieger vor Schwierigkeiten durch eine Namensänderung ihrer Straße zu schützen, benannte der damalige Oberbürgermeister Robert Brauner den Haranniplatz per Sofortentscheidung am 27. Oktober 1961 in Kraft-Messing-Platz um. Diese Entscheidung bestätigte die Stadtverordnetenversammlung einen Monat später.

Nicht jeder war mit dieser Umbenennung einverstanden.

 

Dionysius- und Kreuzkirche, Foto Gerd Biedermann, Fotomontage Edda Reffelmann, September 2017
Dionysius- und Kreuzkirche, Foto Gerd Biedermann, Fotomontage Edda Reffelmann, September 2017*

 

Ein langes Leben war dem Kraft-Messing-Platz aber nicht beschieden. Im Mai 1976 wurde er im Zuge der Stadtkernerneuerung  aufgegeben. Heute brausen täglich Tausende Autos über ihn hinweg: Die vierspurige Sodinger Straße liegt auf ihm.

Jürgen Hagen

 

 * Edda Reffelmann vom Herner Fachbereich Vermessung und Kataster fertigte diese Fotomontage 2017 aus Anlass einer Ausstellung des Stadtarchivs Herne zum 500-jährigen Reformationsjubiläum an. Die Fachfrau betonte, dass aus perspektivischen Gründen lediglich der ungefähre Standort der St. Dionysiuskirche dargestellt werden konnte.

Die genaue Lage der Dionysiuskirche und des Kraft-Messing-Platzes ergibt sich aus der nachfolgenden Kartenmontage, die von Uwe Awater vom Fachbereich Vermessung und Kataster im August 2018 gefertigt wurde. Der Fachmann verwendete hierzu Auszüge aus der Flurkarte von 2018 sowie aus den Amtskarten 8511.7 und 8512.1 von 1967, welche in den Herner Stadtplan von 2018 eingepasst wurden.

 

 

Es gibt eine ähnliche Idee aus dem Jahr 2014. Hier wird das Gotteshaus als schmale Kirche auf dem Grünstreifen inmitten der Sodinger Straße dargestellt (vgl.: Gemeindebrief „Spruchreif“ der Kreuzkirchengemeinde, Nr. 41 – November 2017, Seite 15, online abrufbar unter: Dionysius – Geschichte einer Gemeinde).

Jürgen Hagen

 

Quellen:

  • Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestände St. Dionysiuskirche, Kreuzkirche, Straßen
  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, 579 und 580, 720, 728
  • Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Ausgabe Herne, 29.03.2018

 

Print Friendly, PDF & Email