Gahlenscher Kohlenweg

Nachweisbar seit dem 13. Jahrhundert, aber vermutlich schon viel länger, graben Menschen an der Ruhr nach Kohle. Sie war für Schmiede- und Schmelzöfen gut verwendbar. Es gab im 17. Jahrhundert Fuhrleute für Kohle in Bochum, aber die verfrachteten Mengen dürften sehr gering und die Frachtkosten hoch gewesen sein. 1754 gab es im Amt Bochum, zu dem auch die Gemeinden Baukau, Bickern, Crange, Eickel, Herne und Holsterhausen gehörten, 35 Zechen mit 114 Bergleuten.

Die klevische Kammer bemühte sich, den Kohletransport aus der Grafschaft Mark an die Lippe oder bis zum Rhein mit Fuhrwerken in Gang zu bringen. Das märkische Bergamt richtet 1740 einen Transport von Bochum nach Alsum (zwischen Duisburg und Hamborn) ein. Bis 1750 verhandelte die Kammer mit dem Vest Recklinghausen und dem Stift Essen wegen nötiger Wegeverbesserungen und Brückenbauten. Da diese Projekte aber nur dem Kohletransport dienten, suchte man gleichzeitig nach Möglichkeiten, den gesamten Handel durch bessere Transportmittel zu fördern.

Der Präsident der klevischen Kriegs- und Domänenkammer, von Bessel, schlug 1750 vor, die Emscher schiffbar zu machen. Sie bildete auf etwa 30 Kilometer Länge die nördliche Grenze der Mark und trat bei Sterkrade ins Klevische ein; nur 35 Kilometer des Flusslaufs lagen ‚im Ausland‘, nämlich als Grenze zwischen dem Stift Essen und dem Vest Recklinghausen. Der Vorschlag fand in Berlin kein Widerhall, er wurde nicht einmal geprüft.

Erst nach dem Siebenjährigen Krieg lebten 1763 mit der gesamten Wirtschaft auch die Pläne der Kohlenstraßen wieder auf. J. G. Müser, ein ehemaliger Lehrer aus Blankenstein, der an einigen Kohlegruben in der Gegend von Stiepel beteiligt war, entwickelte 1765 folgendes Projekt: Regelmäßig verkehrende Fuhrwerke sollten die Kohle in ein Magazin bei Gahlen bringen, wo sie in Lippekähne umgeladen würde.

 

Der Gahlensche Kohlenweg zwischen Haus Crange und Haus Grimberg, Auszug aus der 'Preußische Kartenaufnahme', aufgenommen und aufgezeichnet im Jahr 1842, Blatt 5, Repro Stadtarchiv Herne
Gahlenscher Kohlenweg zwischen Haus Crange und Haus Grimberg, Auszug ‚Preußische Kartenaufnahme‘, aufgenommen und aufgezeichnet im Jahr 1842, Blatt 5, Repro Stadtarchiv Herne

 

Es gelang Müser, die Regierung von der Durchführbarkeit seines Plans zu überzeugen, auch der König stimmte zu. Im Sommer 1766 wurde das ‚Kohlhaus‘ etwa fünf Kilometer westlich von Dorsten errichtet.  Jährlich sollte genügend Kohle hierher geliefert werden, um den Bedarf von Kleve, Mörs und Geldern zu decken. Für die nötigen Wegeausbesserungen und Brückenbauten brauchte man zwei Jahre, dann war der ‚Gahlenscher Kohlenweg‘, auch märkischer Kohlendamm genannt, fertig. Die Straße führte von Bochum aus über Haus Dahlhausen nach Eickel, überquerte auf einer Brücke bei Crange die Emscher und nahm über Buer – Polsum – Dorsten Richtung auf Gahlen.

Die Fuhrwerke brauchten für diese Strecke von etwa 29 Kilometer Länge acht Stunden und kehrten am nächsten Tag zurück. Müser hatte sich verpflichtet, jährlich 150.000 Zentner Kohle zu liefern. Je Fass (etwa zwei Zentner) zahlte er sechs gute Groschen (= 1/4 Taler) Fuhrlohn, das kostete ihn jährlich etwa 13.000 Taler.

1846 wurde die heutige Dorstener Straße chausseemäßig ausgebaut; sie hatte eine Breite von 8,6 Meter und wurde dann auch Dorstener Chaussee genannt.

Jürgen Hagen

 

Quellen:

  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, Seiten 179 und 180, 240, Dorstener Straße, Gahlenstraße
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