Flüchtlingssituation in Herne nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Chronik zur Herner Geschichte ‚1945 – 1950, Fünf Jahre Wiederaufbau‘, im Auftrag vom damaligen Oberstadtdirektor Hermann Meyerhoff von der Stadt Herne herausgegeben und bearbeitet von Dr. Leo Reiners, Leiter des Kultur- und Presseamtes, weiß zu berichten, dass die  zumeist ostdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen teilweise in Sammeltransporten angekommen sind und u. a. in Schulen (Schule am Schützenplatz, jetzt Berliner Platz, Schule an der Bismarckstraße, Max-Wiethoff-Schule, Schule an der Händelstraße) untergebracht wurden.  Dem steten Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen, stand nur eine begrenzte Anzahl von  Wohnungen zur Verfügung.

Außerdem  kam es zu  Konkurrenzsituationen mit den ‚Ausgebombten‘ und sonstigen Wohnungssuchenden. Neben Neubauten und Wohnungstauschaktionen (hier ging es um den Tausch von unter- und überbelegten Wohnungen), für die extra eine Abteilung ‚freiwilliger Wohnungstausch‘ im Wohnungsamt eingerichtet wurde, wurden Notwohnungen, Wohnbaracken und die sogenannten Nissenhütten errichtet, um dem Mangel an Wohnraum zu begegnen. Auf Anordnung der britischen Militärregierung wurde ein Wohnungsausschuss, bestehend aus Stadt- und Bürgervertretern zur Unterstützung des Wohnungsamtes eingerichtet.

Da es zu vielen Streitigkeiten bei der Zuweisung von Wohnraum kam, wurde außerdem eine Schlichtungsstelle eingerichtet. Die Stelle war besetzt mit einem Juristen sowie einem Vermieter- und Mietervertreter.

Mit dem Anlaufen der Wirtschaft und dem beginnenden ‚Wirtschaftswunder‘ Anfang der 1950er Jahre entspannte sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt. Die Zahl der Notunterkünfte gingen mehr und mehr zurück, ab den 1960er Jahren waren sie kaum noch von Bedeutung. Gleichzeitig sorgte der große Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft dafür, dass bereits  Mitte der 1950er Jahre der Großteil der Herner ‚Ureinwohner‘ und die Flüchtlinge und Vertriebenen in Lohn und Brot standen.  

Dies wiederum war ein Grund für eine relativ schnelle Integration. Denn auch die damaligen Flüchtlinge und Vertriebenen sahen sich Vorurteilen und Ressentiments ausgesetzt, die sich stark  aus der eigenen schwierigen Situation der Herner Einheimischen nährten.

Jürgen Hagen

Quellen:

  • Herne 1945 – 1950, Fünf Jahre Wiederaufbau, Dr. Leo Reiners, herausgegeben von der Stadt Herne, Dezember 1950
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