Eine kurze Geschichte vom alten Tierpark Gysenberg

Im Sommer 1933 regte Herr Heinrich Geck im Verkehrsverein an, entsprechend dem Beispiel der Nachbarstädte Bochum und Recklinghausen im Gysenberg ein Wildgatter mit einheimischen Tieren einzurichten. Diese Idee fand allgemeinen Anklang. Der Gedanke, der Bevölkerung, insbesondere der Jugend, die heimische Tierwelt näherzubringen, hatte etwas sehr Bestechendes und ließ sich zweifellos im Zusammenhang mit der Försterei im Gysenberg gut verwirklichen. Auch die Stadtverwaltung förderte gern diesen Plan, der schnell Gestalt annahm. Im Hinblick auf die Finanzlage musste die Hilfe der Stadt verschleiert erfolgen; sie geschah durch die kostenlose Gestellung von Arbeitskräften und Material. Die Arbeiten wurden so gefördert, dass schon am 14. März 1934 die ersten Tiere – 2 Damhirsche und 1 Kahltier – eingesetzt werden konnten, am 09. April 1934 fand dann die feierliche Einweihung statt.


Da sich in der gesamten Bürgerschaft ein sehr großes Interesse zeigte, beschloss man, den Tierpark auf eine breitere Basis zu stellen und gründete einen Verein der Tierfreunde vom Gysenberg e. V., der schnell Mitglieder warb. Damit schien sich, da eine Menge einheimischer Tiere auch auf den Teichen eingesetzt wurde, eine wirklich erfreuliche Entwicklung anzubahnen. Leider griff die in dieser Zeit übliche Großmannssucht und Maßlosigkeit auch hier störend ein. Der Bestand an einheimischen Tieren genügte nicht mehr, es wurde zunächst ein Affenhaus eingerichtet, und dann gab auf Drängen des Oberbürgermeisters ein in Herne gastierender Zirkus einen Löwen in Verrechnung gegen die geschuldete Vergnügungssteuer her. Nun war kein Halten mehr, es musste ein großer Zwinger gebaut werden, der das Landschaftsbild scheußlich verunstaltete, und immer neue Raubtiere wie Wölfe, Bären und ein Tiger wurden beschafft. Der letztere erregte allerdings bei der Bevölkerung allgemeine Heiterkeit, weil ihm irgendwie einmal der Schwanz abhanden gekommen war.

Zirkuslöwe im Tierpark Gysenberg, Repro Gerd Biedermann

Die Werbung für den Verein wurde stark intensiviert, dabei fehlte es nicht an dem üblichen Zwang. So erklärte der Oberbürgermeister in einer öffentlichen Versammlung am 17. Januar 1936, dass Leute, die im Verdienst ständen, trotzdem aber die Werber abwiesen, ’sich außerhalb der Volksgemeinschaft stellten‘. Diese übliche Drohung war im Zusammenhang mit dem Verein der Tierfreunde mehr als grotesk.

Am 24. Februar 1936 übertrug die Stadt Herne dem Verein das Gelände in Erbbaurecht und räumte ihm das Recht ein, eine große Terrasse mit Wirtschaftsräumen zu erbauen. Der Zufahrtsweg zum Forsthaus wurde als Autostraße ausgebaut, und die Pläne gingen allmählich ins Uferlose. Die Stadt wurde offiziell nach wie vor nicht stark belastet, da sie nur einen Beitrag an den Verein zahlte; sie musste aber fortgesetzt Pflicht- und Stammarbeiter stellen, was im Haushaltsplan nicht in Erscheinung trat. Die wesentlichen, recht erheblichen Kosten trugen auf sanften Druck des Oberbürgermeisters die Herner Industriewerke, die unentgeltlich Arbeitskräfte und Material zur Verfügung stellten, aber auch erhebliche Summen bar bezahlten. Damit hatte das Unternehmen aber schon seinen Höhepunkt überschritten.

Zwinger im Tierpark Gysenberg, Repro Stadtarchiv Herne

Die Finanzierung der Terrassen gelang nicht; es konnte nur als bescheidener Anfang eine Toilette gebaut werden. Zunächst erhielt sich aber das rege Interesse der Herner Bevölkerung an ihrem Zoo, der stets bei gutem Wetter oft von Tausenden von Menschen, insbesondere Kindern, besucht wurde. Im Jahre 1938 ließ aber der Besuch stark nach, da die Anlage nicht mehr gepflegt wurde. Im Krieg bereitete die Versorgung der Tiere große Schwierigkeiten; sie gingen aus Nahrungsmangel ein, zum Teil mussten sie erschossen werden. Was essbar war, wurde gestohlen und aufgegessen.


So endete eine zunächst erfreuliche kommunale Planung. Nach dem Krieg konnte auf den früheren Grundlagen nicht wieder begonnen werden. Erst im Jahre 1952 ging man daran, den alten Gedanken mit der notwendigen Begrenzung auf einen Tierpark für einheimische Tiere wieder aufzugreifen.

Der Text wurde von Gerd Biedermann entdeckt und für das Digitale Geschichtsbuch aufbereitet.

Quelle: Verein der Tierfreunde vom Gysenberg e. V.

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