Das Constantinstift

Am 27. Dezember 1905 konnte an der Pieperstraße das Constantinstift eröffnet werden. In diesem Hause wurden früher die katholischen Kinder der Belegschaftsmitglieder der Zeche Constantin von Nonnen betreut.

Zur Eröffnung hieß es: „Diese Niederlassung der Schwestern ist ganz ein Werk sozialer Fürsorge der Zechen-Gewerkschaft ‚Constantin der Große‘ bei Herne für die bei ihr beschäftigten Bergarbeiter. Vertreter dieser Gesellschaft hatten das segensvolle Wirken der Schwestern im ‚Elisabeth-Stift‘ in Herne usw. unter den Arbeiter-Kindern beobachtet und wollten deshalb ihren Untergebenen auch hier diese Wohlthat zu teil werden lassen. Sie richteten daher eine Bewahrschule ein und erbaten dafür Barmherzige Schwestern. Das Mutterhaus in Paderborn übernahm diese Schule.“

Kommunionskind Antonia Wittenberg mit den Ordensschwestern des Constantinstifts, 1935, Repro Stadtarchiv Herne

Über die Einführung der Schwestern und über die innere Einrichtung des Hauses berichtete damals die Presse: „Ein bedeutungsvoller Akt wurde in der Kolonie Konstantin vollzogen. Herr Generaldirektor Pieper übergab an diesem Tage die […] Wohltätigkeitsanstalt der Benutzung. Die Anstalt soll vorläufig nur als Kinderbewahrschule dienen, später auch als Kochschule für schulentlassene Mädchen. […] Das untere Stockwerk enthält drei große Schulzimmer, von denen zwei als Kinderschulen und eines als Kochsaal eingerichtet sind. Die Ausstattung dieser drei Säle wird jeder Besucher als mustergültig anerkennen. […] Das obere Stockwerk enthält Schlafräume und Trockenboden. Hinter dem Gebäude ist ein Spielplatz geschaffen, an welchem sich eine geräumige, gedeckte Halle anschließt. Neben der neuen Anstalt blieb noch genügend Platz für einen größeren Gemüsegarten, der der Hausverwaltung sicherlich gut zustatten kommen wird. Nicht vergessen wollen wir die im oberen Stockwerk befindliche Kapelle. […]“

Weiter heißt es: „Die Schwester Angela wurde zur Vorsteherin ernannt und die beiden Schwestern Hilduarda und Rogatina ihr zur Seite gegeben. Die Sorge, welche Frau Bergrat Pieper dem neugegründeten Hause in seinem Entstehen zugewandt hat, hat sie treulich bewahrt und hilft auch jetzt den Schwestern mit Rat und Tat. Die Bewohner der Kolonie lieben ihre Schwestern und kommen in allen Lagen vertrauensvoll zu ihnen. Sie sind insbesondere der Zechenverwaltung sehr dankbar, daß sie dieses stille Haus des Friedens unter ihnen geschaffen haben. […] Eine Nähschule konnte ebenfalls schon eingerichtet werden, wofür eine neue  Schwester eingestellt ist. Der Wirksamkeit der Schwestern bot sich hier aber bald ein noch schöneres breiteres Arbeitsfeld; es wurde nämlich auf allgemeinen Wunsch hin die ambulante Krankenpflege eingerichtet und von diesem Hause aus besorgt. […]“

Katholischer Kindergarten im Constantinstift, Pieperstraße 21, um 1950, Repro Stadtarchiv Herne

1912 besuchten 130 Kinder – davon 60 Mädchen – die Einrichtung. 15 bis 20 Mädchen und Frauen hatten damals die Möglichkeit, das Nähen zu erlernen.

Die Schwestern beendeten 1985 ihren Dienst im Constantinstift. Der Kindergarten wird seither von weltlichen Kräften geführt.

Text: Stadtarchiv Herne1)Stadtarchiv Herne, Archivbibliothek, Ausstellungsdokumentationen, Leben gestern und heute in Constantin, 2005.

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Anmerkungen   [ + ]

1. Stadtarchiv Herne, Archivbibliothek, Ausstellungsdokumentationen, Leben gestern und heute in Constantin, 2005.