Cranger Kirmes

Über die Geschichte der Cranger Kirmes ist bis zum Ende des 18. Jahrhunderts – außer ihrer Existenz – nicht viel überliefert. Der Heimatforscher Gustav Hegler verknüpfte, ohne eine entsprechende Beweisführung, die Entwicklung der Cranger Kirmes mit der Belehnung Derick van Eykels mit Haus Crange am 10. August 1441, einem Laurentiustag.

Demnach wurden seitdem an einem jeden Laurentiustag die dort lebenden Wildpferde, die sogenannten „Emscherbrücher Dickköppe“, verkauft. Diese Pferde waren intelligent, verfügten über eine gut entwickelte Muskulatur und starke Beinsehnen. Sie waren als Zug- und Reitpferde einsetzbar. Der Auftrieb und Verkauf der Emscherbrücher Dickköppe zog viele Schaulustige an. Mit der Zeit kamen Musikanten, Artisten und andere Gaukler dazu, die die Marktbesucher mit ihren Kunststücken unterhielten. Die zunehmende Präsenz von Schaustellungen und Verkaufsbuden lockte nach und nach eine große Anzahl von Kirmesbesuchern aus den umliegenden Städten und Dörfern nach Crange.

An dieser, in keiner Weise belegten Herleitung zu den Ursprüngen der Cranger Kirmes, orientieren sich – ohne weitere Quellenprüfung – spätere Arbeiten zu dem Thema, die Presse und das World Wide Web.

Cranger Pferdemarkt, um 1903, Foto Stadtarchiv Herne
Cranger Pferdemarkt, um 1903, Foto Stadtarchiv Herne

Belegt ist jedoch, dass nach kriegsbedingten Einschränkungen während des Ersten Weltkrieges der Pferdemarkt und der inzwischen hinzugekommene Viehmarkt und hier vor allem der Schweinemarkt zunächst eine Blütezeit erlebte, um sich im weiteren Verlauf der Weimarer Republik zur traditionspflegenden Begleitveranstaltung der ständig wachsenden Cranger Kirmes zu entwickeln. Bis zum Zweiten Weltkrieg war für viele Wanne-Eickeler, die zumeist aus in Koloniewohnungen lebenden Bergarbeiterfamilien bestanden, der alljährlich stattfindende Schweinemarkt der wichtigere Termin. Zitat einer Zeitzeugin:

Dann war der Pferdemarkt, da hatten wir weniger mit zu tun. Aber mit dem Schweinemarkt! Die Bergleute in der Kolonie hatten ja alle ein Schwein im Stall. Dann wurde das ganze Jahr gespart, daß meine Eltern wieder ein neues Schwein kaufen konnten, und das wurde immer auf der Cranger Kirmes gekauft.

Schweinemarkt, 1925, Foto Stadtarchiv Herne
Schweinemarkt, 1925, Foto Stadtarchiv Herne

Neben dem Jahr 1441 gibt es weitere Thesen zum tatsächlichen Alter der Cranger Kirmes (Berechnungsjahr 2020):

1369 Erste urkundliche Erwähnung über Wildpferdvorkommen im Emscherbruch, hieraus die – nicht belegte – Schlussfolgerung, seit diesem Zeitpunkt seien Pferde auf einem Markt in Crange verkauft worden: 2020 – 1369 = 651 Jahre

1435 500 Jahrfeier, 1935 aus propagandistischen Gründen willkürliche Festsetzung durch die Nazis: 2020 – 1435 = 585 Jahre

1449 Durch eine im Januar 1449 ausgestellte Urkunde erlaubte die römische Kurie Derick van Eykel (= Theoderich van Eickel) einen tragbaren Altar zu besitzen. Als Dank für die Ausstattung mit diesem kanonischen Sonderrecht stiftete Derick van Eykel eine Kapelle, die an der Ostseite von Haus Crange errichtet wurde.  Wann die Kapelle letztendlich fertiggestellt und geweiht wurde, ist jedoch nicht belegt. Die Kapelle wird 1484 erstmalig urkundlich erwähnt1)Ein Kirchenpatron ist in dieser ersten urkundlichen Erwähnung nicht überliefert. Erst 1521 wird urkundlich „…sunte Anthonio…Kercken them Krange…“ erwähnt, 1526 die Kapelle St. Antonii zu Crange. Kirchweihe wäre demnach an einem 17. Januar gewesen. Der Kirchenpatron Laurentius erschien erstmalig im 15. oder 16. Jahrhundert auf der Rückseite eines hinzugekommenen Triptychons – neben St. Antonius. Im Kirchenrecht heißt es: „Jede Kirche muss ihren Titel (titulus) haben, der nach vollzogener Weihe nicht geändert werden kann.“ Das Patrozinium einer Kirche ist somit endgültig. Jedoch konnte im Laufe der Zeit das Patrozinium durch einen Compatron oder Patronus secundarius verdrängt werden. Patrozinienwechsel kamen im Laufe der Jahrhunderte häufiger vor, wenn die Kirche zum Beispiel Reliquien eines bedeutenderen Heiligen oder etwa einen Splitter vom Heiligen Kreuz erhielt oder ein anderer Heiliger dem Zeitgeist mehr zu entsprechen schien. Oft wurde dann der zweite Patron Hauptpatron (Alois Schröer: Patron, Patronin, Patrozinium. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 7. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 1478 ff.). : 2020 – 1449 = 571 Jahre

Schlosskapelle Crange, Foto Stadtarchiv Herne
Schlosskapelle Crange, Repro Stadtarchiv Herne

1484  Erstmalige urkundliche Erwähnung  der ‚Freiheit Crange‘ mit einem implizierten Marktrecht: 2020 – 1484 = 536 Jahre

1503 Prozessakte Rump zu Crange gegen Freiherr von Strünkede zu Dorneburg, älteste urkundliche Erwähnung des Jahrmarktes mit Datum 05. März 1703, in dieser Akte: ‚daß der von Rump auf eine zweihundertjährige Possesion (Besitz) und Recht, den Jahrmarkt an einem Sonntag abzuhalten…‘: 2020 – 1503 = 517 Jahre. Jedoch: Wahrscheinlich sind die in der Akte genannten 200 Jahre als ein ungefährer Wert anzusehen, der  tatsächlich auf das Jahr 1484, der erstmaligen urkundlichen Erwähnung der ‚Freiheit Crange‘, verweist.2)Transkription der Briefabschrift an den preußischen König Friedrich I. vom 05.03.1703, Original: Gräflich von Spee’sches Archiv Ahausen, Aktenbestand Crange: Friderich König – Ehrbahr lieber getreuer, wir haben Euren allerunterthänigsten bericht vom 24. Feb. wegen des von dem von Rump zum Crange prätendirten jahrmarcks empfangen, und verleszen. Gleich wie wir nun darausz wargenohmen, dasz gemelter von Rump ausz eine alte und zweyhundertjahrige possession und recht eines jahrmarcks, auff einen Sontag zu halten, sich gründe, alsz befehlen wir Euch in Gnaden, dasz Ihr denselben zu deszen pertinenten beweiszthumb inner frist von 3 wochen praefigiren und darab alszdan, wie auch von der bewantnusz solchen juris und possession, allerunterthänigst berichten sollet. Und wir bleiben Euch mit gnaden gewogen. – Geben Cleve in unsern regierungsraht den 5 Martii 1703. – Anstat und von wegen allerhöchstgedachter seiner Königl. May. – Conradt von der Reck – Vidit G. Kalb – Dr. Wolfgang Bockhorst, LWL-Archivamt, Münster; Manfred Hildebrandt M. A., Stadtarchiv Herne

Briefabschrift an den preußischen König Friedrich I. vom 05.03.1703, Gräflich von Spee’sches Archiv Ahausen, Aktenbestand Crange, Repro Stadtarchiv Herne

Der Ältestenrat der Stadt Herne unterstützte im Februar 2019 das Ergebnis einer Expertenrunde, die unter Vorsitz von Stadtarchivar Jürgen Hagen über die Zählweise der Cranger Kirmes beriet. Die stadtgeschichtlichen Fachleute und der Ältestenrat kamen gleichermaßen zu dem Schluss, dass das Jahr 1484 das kräftigste symbolische Ankerdatum ist, das angeführt werden kann. Entsprechend eröffnete Oberbürgermeister Frank Dudda am 02. August 2019 die (symbolische) 535. Cranger Kirmes.

Die Stellungnahme der Expertenrunde im Wortlaut

Zur Klärung der Zählweise der Cranger Kirmes kamen heute, am 10. Dezember 2018, folgende Personen im Stadtarchiv zusammen: Hans-Jürgen Baranowski (Heimatforscher), Manfred Hildebrandt (Stadtarchivar a. D., Experte für Mittelaltergeschichte), Ralf Piorr (Historiker), Frank Sichau (Vorsitzender der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel) und Jürgen Hagen (Stadtarchivar).

Nach einem intensiven Austausch und der Prüfung der vorhandenen Quellen wurde übereinstimmend folgendes festgehalten:

  • Bei allen Thesen zum Ursprung und Alter der Cranger Kirmes handelt es sich um mehr oder minder wahrscheinliche Spekulationen, von denen keine durch entsprechendes historisches Quellenmaterial vollständig abgesichert werden kann.
  • Die bis dato etablierte Zählweise wurde 1935 von den Nationalsozialisten willkürlich gesetzt, um das Volksfest zu Propagandazwecken zu instrumentalisieren. Das Abrücken von dieser Zählweise ist daher nicht nur sachlich begründet, sondern auch eine notwendige geschichtspolitische Stellungnahme gegenüber dem Unrechtssystem des Nationalsozialismus.
  • Die erste Erwähnung der Cranger Kirmes findet sich in einer Prozessakte von 1703, in der bestätigt wird, dass es eine etwa „zweihundertjährige Posession und Recht, den Jahrmarkt an einem Sonntag abzuhalten“, gibt. Damit verweist diese Urkunde auf eine Jahrmarktstradition, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Bekräftigt wird diese Annahme durch eine zweite Urkunde, in der für das Jahr 1484 erstmals die „Freiheit Crange“ mit einem implizierten Marktrecht erwähnt wird. Das Jahr 1484 ist damit das kräftigste symbolische Ankerdatum, das angeführt werden kann.
  • Für das Datum 1441, das ebenfalls diskutiert wurde, muss festgestellt werden, dass es keine urkundlichen Nachweise bezüglich eines Pferdemarktes oder gar eines Jahrmarktes gibt. Diese Fehlinformation hat sich leider in der Presse und im Internet (Wikipedia) stark verbreitet.
  • Das Jahr 1449 ist ein „Kann“-Datum. In diesem Jahr wurde Theoderich van Eickel das Sonderrecht erteilt, einen tragbaren Altar mit sich zu führen, um im Haus Crange oder auch an jedem anderen Ort3)Urkunde vom 03. Januar 1449: „[…] in Haus Kranghe oder in anderen Kapellen […] die heilige Messe […] feiern lassen zu können.“ einen Gottesdienst abzuhalten. Als Dank ließ van Eickel die Laurentiuskapelle bauen, die erstmalig 1484 urkundlich erwähnt wird. Wann die Kapelle letztendlich fertiggestellt und geweiht wurde, ist jedoch nicht belegt. Doch ist die Einweihung der Kapelle als Traditionsbeginn der Cranger Kirmes nicht auszuschließen, stammt das Wort Kirmes etymologisch doch vom mittelhochdeutschen „kirmesse“, also Kirchweihe, ab.4)In der Expertenrunde wurde auch die Frage diskutiert, ob es Derick van Eykel (Theoderich van Eickel) möglich gewesen war, nach der durch Urkunde vom  03. Januar 1449 erteilten Erlaubnis, einen tragbaren Altar mit sich zu führen, von Januar bis August eine Kapelle zu bauen und diese am 10. August 1449 weihen zu lassen. Manfred Hildebrandt, der Ur- und Frühgeschichte, Geschichte, Kunstgeschichte und Geologie mit dem Abschluss Magister Artium studierte, hatte sich hierzu klar positioniert: Sowohl aus Gründen der Bodenbeschaffenheit als auch aus logistischer Sicht war das nicht möglich.

Das Fazit der Expertenrunde im Wortlaut

  • Das bischöfliche Dekret von 1449 hat vermutlich einen gesellschaftlichen Prozess in Gang gesetzt, der 1484 in der „Cranger Freiheit“ mündete. Es ist zu vermuten, dass in diesem Zeitraum auch die Entwicklung der Kirmes stattgefunden hat. Von daher haben diese beiden Jahreszahlen die stärkste Plausibilität.
  • Es wäre wünschenswert, am Cranger Tor eine Hinweistafel anzubringen, die auf die Ursprünge der Kirmes eingeht und die Entwicklung im 20. Jahrhundert nachvollzieht.

Neben dem Alter sorgt auch die Frage „Wem gehört die Kirmes?“ für teilweise hitzige Diskussionen. Heißt es nun: Cranger Kirmes, Cranger Kirmes in Wanne, Cranger Kirmes in Wanne-Eickel oder gar Cranger Kirmes in Herne?

Die Gemeinde Crange selbst wurde mit Inkrafttreten des Eingemeindungsvertrages vom 18.09.1905 am 28.10.1906 in das Amt Wanne eingemeindet. Im § 6 wurde folgendes festgelegt: „Der Pferdemarkt und die Kirmes müssen während des Fortbestehens in den Grenzen der bisherigen Gemeinde Crange und in möglichster Nähe des bisherigen Dorfes Crange, soweit es die Verhältnisse zulassen, abgehalten werden.“

Kirmesabsagen

Am 04. Mai 2020 sagte der Krisenstab der Stadt Herne die Cranger Kirmes für dieses Jahr wegen der COVID-19-Pandemie endgültig ab. Zwischenzeitliche Überlegungen, den Jahrmarkt in den Oktober zu verlegen, wurden wieder verworfen.

Oberbürgermeister Frank Dudda erklärte hierzu:

Das ist wohl eine der schwersten Entscheidungen, die ich bisher in meiner Amtszeit treffen musste. Zu verkünden, dass die Wanne-Eickeler, die Hernerinnen und Herner sowie Millionen Gäste in diesem Jahr auf Crange verzichten müssen, ist traurig.

Werbeaufkleber für die 2020 abgesagte Cranger Kirmes, Repro Stadtarchiv Herne

Absagen des Rummels gab es auch während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Annette Krus-Bonazza vermerkt in ihrem Buch Auf Cranger Kirmes:

Auf die wirtschaftlichen Vorteile einer Kirmes , die durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Bevölkerungsexplosion in der Emscherregion, den Ausbau eines Nahverkehrsnetzes und ein erweitertes schaustellerisches Vergnügungsangebot seit den 1880er Jahren einen enormen Aufschwung erlebt hatte, mußten die Cranger bzw. Wanner dann ab 1914 zunächst verzichten. Während der Viehmarkt – 1914 allerdings auch nur zur Deckung des militärischen Bedarfs und später mit unerschwinglich hohen Preisen – auch nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch weiter abgehalten wurde, hatte man „in Anbetracht des Ernstes der Zeit“ von einem Kirmesrummel für die Dauer des Krieges abgesehen, so daß die Entwicklung des Cranger Volksfestes zur „Großstadtkirmes“ erst mit Beginn der Weimarer Republik ihren Fortgang nehmen sollte.

An anderer Stelle schreibt Krus-Bonazza:

Nachdem sich die Wanne-Eickeler auch noch in den Jahren 1941 und 1942 kurzfristig ins kriegsbedingt eingeschränkte Kirmesvergnügen flüchten konnten, mußte die Cranger Kirmes ab 1943 dem sich verstärkenden Bombenhagel weichen. […] Obwohl die Bomben des Zweiten Weltkriegs das Ruhrgebiet in eine Trümmerlandschaft verwandelt hatten und die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal war, wurde in Wanne-Eickel schon bald wieder Kirmes gefeiert. Unterstützt vom Engagement einer Reihe von (Ruhrgebiets-) Schaustellern, deren Familien zu dieser Zeit zum Teil seit Generationen im August in Crange anreisten, begann im Jahre 1946 der „Wiederaufbau“ der Kirmesveranstaltung.5)Annette Krus-Bonazza, In: „Auf Cranger Kirmes“, Seiten 11 und 108.

Jürgen Hagen

Quellen:

 Stadtarchiv Herne:

  • Dokumentationsbibliothek, Sammlungen Stadtteile, Crange; Adelssitze Wanne-Eickel, Haus Crange; Kirchen, Cranger Kirche
  • Archivbibliothek, „Auf Cranger Kirmes“, Krus-Bonazza, Annette, F. Coppenrath Verlag, Münster 1992, als PDF-Dokument abrufbar unter http://www.lwl.org/voko-download/BilderNEU/422_080Krus-Bonazza_MU.pdf ; Ausstellungsdokumentation „Es war einmal… Crange gestern und heute“, 2010
  • Zeitungsbibliothek, WAZ vom 03. August 1990, Verlags-Sonderbeilage, S. 128/3; WAZ (Herne) vom 05. Mai 2020
  • „535 Jahre – mehr oder weniger“. In: inherne – Das Stadtmagazin 3/2019, Seite 20, herausgegeben von der Stadt Herne in Kooperation mit dem Wochenblatt Herne, 2019. Online abrufbar unter: https://inherne.net/535-jahre-mehr-oder-weniger/ (Letzter Zugriff: 24.09.2019)
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Anmerkungen   [ + ]

1. Ein Kirchenpatron ist in dieser ersten urkundlichen Erwähnung nicht überliefert. Erst 1521 wird urkundlich „…sunte Anthonio…Kercken them Krange…“ erwähnt, 1526 die Kapelle St. Antonii zu Crange. Kirchweihe wäre demnach an einem 17. Januar gewesen. Der Kirchenpatron Laurentius erschien erstmalig im 15. oder 16. Jahrhundert auf der Rückseite eines hinzugekommenen Triptychons – neben St. Antonius. Im Kirchenrecht heißt es: „Jede Kirche muss ihren Titel (titulus) haben, der nach vollzogener Weihe nicht geändert werden kann.“ Das Patrozinium einer Kirche ist somit endgültig. Jedoch konnte im Laufe der Zeit das Patrozinium durch einen Compatron oder Patronus secundarius verdrängt werden. Patrozinienwechsel kamen im Laufe der Jahrhunderte häufiger vor, wenn die Kirche zum Beispiel Reliquien eines bedeutenderen Heiligen oder etwa einen Splitter vom Heiligen Kreuz erhielt oder ein anderer Heiliger dem Zeitgeist mehr zu entsprechen schien. Oft wurde dann der zweite Patron Hauptpatron (Alois Schröer: Patron, Patronin, Patrozinium. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 7. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 1478 ff.).
2. Transkription der Briefabschrift an den preußischen König Friedrich I. vom 05.03.1703, Original: Gräflich von Spee’sches Archiv Ahausen, Aktenbestand Crange: Friderich König – Ehrbahr lieber getreuer, wir haben Euren allerunterthänigsten bericht vom 24. Feb. wegen des von dem von Rump zum Crange prätendirten jahrmarcks empfangen, und verleszen. Gleich wie wir nun darausz wargenohmen, dasz gemelter von Rump ausz eine alte und zweyhundertjahrige possession und recht eines jahrmarcks, auff einen Sontag zu halten, sich gründe, alsz befehlen wir Euch in Gnaden, dasz Ihr denselben zu deszen pertinenten beweiszthumb inner frist von 3 wochen praefigiren und darab alszdan, wie auch von der bewantnusz solchen juris und possession, allerunterthänigst berichten sollet. Und wir bleiben Euch mit gnaden gewogen. – Geben Cleve in unsern regierungsraht den 5 Martii 1703. – Anstat und von wegen allerhöchstgedachter seiner Königl. May. – Conradt von der Reck – Vidit G. Kalb – Dr. Wolfgang Bockhorst, LWL-Archivamt, Münster; Manfred Hildebrandt M. A., Stadtarchiv Herne
3. Urkunde vom 03. Januar 1449: „[…] in Haus Kranghe oder in anderen Kapellen […] die heilige Messe […] feiern lassen zu können.“
4. In der Expertenrunde wurde auch die Frage diskutiert, ob es Derick van Eykel (Theoderich van Eickel) möglich gewesen war, nach der durch Urkunde vom  03. Januar 1449 erteilten Erlaubnis, einen tragbaren Altar mit sich zu führen, von Januar bis August eine Kapelle zu bauen und diese am 10. August 1449 weihen zu lassen. Manfred Hildebrandt, der Ur- und Frühgeschichte, Geschichte, Kunstgeschichte und Geologie mit dem Abschluss Magister Artium studierte, hatte sich hierzu klar positioniert: Sowohl aus Gründen der Bodenbeschaffenheit als auch aus logistischer Sicht war das nicht möglich.
5. Annette Krus-Bonazza, In: „Auf Cranger Kirmes“, Seiten 11 und 108.