Geschichte der Familie von Arenberg

Im Buch Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1), Hg. Der Oberbürgermeister der Stadt Herne, Herne 1997, heißt es auf Seite 321: „Als der Herzog von Ahrenberg (zutreffend: Arenberg; F.Si) seinen Wohnsitz nach Brüssel verlegte, verkaufte er im Sommer 1912 seine Grundstücke…“ So auch bei Heimatschriftstellern wie Wolfgang Viehweger.

Sachlich richtig ist, dass Engelbert-Maria, der 9. Herzog von Arenberg (*1872 in Salzburg, möglicherweise Schloss Arenberg, †1949 in Lausanne) zu dieser Zeit und bis zum Ende des Ersten Weltkriegs in 1918 auf Schloss Nordkirchen wohnte. Engelbert-Maria war Sohn von Engelbert-August, dem 9. Herzog von Arenberg (1824-1875), 4. Herzog von Arenberg-Meppen (Schloss Clemenswerth), 4. Fürst von Recklinghausen (Engelsburg) und 14. Herzog von Aarschot (Belgien; Sitz derzeit nicht bekannt). Er hatte Nordkirchen 1903 nach dem Tod des Voreigentümers Niklós Esterházy de Galántha von dessen ungarischen Erben gekauft und über Jahre saniert, modernisiert und umgestaltet (Der Verfasser hat sich bei einer Exkursion zum Schloss Nordkirchen über diesen Sachverhalt informiert.). Aufgewachsen ist Engelbert-Maria in mehreren Schlössern in Belgien (Egmont-Palast, Brüssel, Schloss Arenberg, Löwen-Heverle und Schloss Enghien – im Internet nicht einfach zu finden). Im Alter von 17 Jahren trat er 1889 in die preußische Armee ein, in der er bis 1896 diente. Im Ersten Weltkrieg gehörte er als Major dem Armee-Oberkommando VII an, dass am deutschen Einsatz in Belgien beteiligt war. Aus diesem Grund musste er nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg den größten Teil seines belgischen Eigentums wertgemindert verkaufen. Nach dem Ersten Weltkrieg verlegte Engelbert-Maria seinen Wohnsitz nach Mailand/Italien. 1919 wurde er Ehrenbürger von Meppen und 1927 von Recklinghausen. Er starb nach kurzer Krankheit Anfang 1949 in Lausanne (französischsprachige Schweiz).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Schloss Nordkirchen von den Arenbergern geräumt. Wertvolles Inventar wurde in den Ostflügel oder außer Haus zum verbliebenen Immobilieneigentum nach Belgien oder möglicherweise in die Eifel gebracht. Das Schloss selbst wurde im Laufe der Zeit an unterschiedliche Institutionen vermietet.

Sohn Engelbert-Karl (1899-1974) wohnte zeitweise im Ostflügel („Erbprinzenflügel“), zumal er für die Geschäftsführung des deutschen Familieneigentums verantwortlich war. Nach dem Tod von Engelbert-Maria in 1949 wurde er 10. Herzog von Arenberg, 5. Herzog von Arenberg-Meppen, 5. Fürst von Recklinghausen und 15. Herzog von Aarschot, wobei ein Sitz des Herzogtums nicht bekannt geworden ist. Nach intensiver Suche gibt es dort mehrere Herrenhäuser (Kasteels van Nieuwland, van Rivieren und van Horst), die heute zum Teil Hotels sind, jedoch ohne Hinweis auf die Herzöge.

Engelbert-Karls Gattin Mathild verwaltete nach dessen Tod 1974 die für das familiäre Grundeigentum bestehende Arenberg-Meppen GmbH (Immobilien, Forst- und Landwirtschaft) und gründete die gemeinnützige „Stiftung Herzog Englebert-Charles und Herzogin Mathildis von Arenberg“. Nach ihrem Tod in 1989 wurde die Stiftung bestimmungsgemäß Alleingesellschafterin der Arenberg-Meppen GmbH. Diese gehört nicht mehr zur Familie von Arenberg.

11. Herzog von Arenberg wurde Eric (1901-1992), der Bruder von Engelbert-Karl. Ihm folgte als 12. Herzog Jean-Engelbert (1921-2011). 13. Herzog von Arenberg ist Leopold-Engelbert (*1956 in Tervuren – ostwärts von Brüssel -). Er ist zugleich Chef des Hauses Arenberg.

Eigentum der Familie von Arenberg gibt es weiterhin in der Eifel (z.B der Arenberg-Forst in Mayschoß). Darüber hinaus informiert die Arenberg-Stiftung in B-Enghien zur Familie von Arenberg.

Zutreffend ist, dass Engelbert-Maria von Arenberg in 1912 seine letzten Grundstücke in Eickel und Bochum-Hofstede an den Bergbau (Zeche Hannibal) und das Amt Eickel verkauft hat. Amtmann Karl Berkermann initieirte 1913 auf diesem Grundstück den Bau der Gartenstadt Eickel mit zunächst 99 Häusern für Familien von Eisenbahnern, Kommunalbediensteten und Bergleuten. Bereits 1840 waren Teile des Arenbergschen Eigentums in Eickel und Hofstede zu Bergbauzwecken (Hannibal und Shamrock) an die Kaufleute Heinrich von Hüllen und Hermann Heypertz aus Mülheim a.d. Ruhr verkauft worden. Die besagten Grundstücke gehörten zu Haus Nosthausen, das Herzog Prosper Ludwig von Arenberg (1785-1861) im Jahr 1820 insbesondere zu Bergbauzwecken erworben hat. Verkäufer war vermutlich Alexander von Asbeck zum Gahr auf Haus Gosewinkel in Eickel oder dessen Erben.

Nicht zutreffend ist, dass die Familie von Arenberg in Recklinghausen gewohnt hat.1 Bis 1903 hatte sie ihren Wohnsitz in Belgien, obwohl sie Grundeigentum in Deutschland hatte.

Anzumerken sei noch, dass die Tante einer Wanne-Eickelerin über Jahrzehnte Privatsekretärin von Engelbert-Maria von Arenberg („Seine Durchlaucht“, S. D.). Sie begleitete den Herzog auf seinen recht häufigen Reisen. Auch sie wohnte in seiner Residenz, dem Hotel Royal in Lausanne (CH). Von Arenberg hatte dafür gesorgt, dass sie bis zu ihrem Tod Ende der 1980-erJahre (Engelbert-Maria starb 40 Jahre zuvor im Jahr 1949, dort leben konnte.

Nebenbei war seine Privatsekretärin Thérèse Frisch („Tefri“), eine Bankkaufrau, auch schriftstellerisch tätig. Der Herzog besorgte den Druck ihrer Bücher in kleinerer Auflage und überreichte sie ihr beispielsweise zum Geburtstag als Geschenk. Noch heute sind etwa 5 Bücher antiquarisch von 50 bis 180 Euro erhältlich (z. B. „Majestät New York“, 1938.).

Frank Sichau, August 2022

Anmerkung

  1. So Wolfgang Viehweger in „Spaziergang im Eichenwald“, Herne 2001, Seite 196. ↩︎